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Genderige Dekorationen
Zu haben: Women to go
der Heinrich Böll Stiftung in Berlin Mitte werden derzeit und noch bis zum 11. Juli Frauen zum Mitnehmen – „Women to go“ – in Postkartenformat auf
drei entsprechenden mobilen Ständern den Besuchern des Hauses zur Schau
gestellt. Mathilde ter Heijnes Installation im unmittelbaren Eingangsbereich
wirkt zunächst ästhetisch anziehend und motiviert, der eigenen visuellen sowie
haptischen Neugierde nachzugehen.
Auf den Karten sind fotografische Darstellungen
unterschiedlicher Frauen aus dem 19. Jahrhundert zu sehen. Mehr noch, und das
vorwiegend, gibt sich bald ein ethnografischer, ein männlicher, von außen
kommender Blick auf die zum Objekt mutierten Frauen zu erkennen. Obwohl
zunächst ihre Individualität hervorgehoben zu sein scheint, wird bald deutlich,
dass sie in Haltung, Kleidung und Sitte ihrer Zeit und ihrem jeweiligen
Kulturkreis höchst angepasst sind. Für zusätzliche Irritation sorgt die kurze
Biografie einer vermeintlich berühmten anderen Frau auf der
Postkartenrückseite. Durch die willkürliche Verbindung von Text und Bild,
scheitert die hoffnungsvolle Suche nach einem erkennbaren Gegenüber, nach einer
greifbaren Identität.
Postkarten stellen oft Erinnerungsstücke dar, dienen
als Projektionsfläche für Ideen und Sehnsüchte und bieten ein Mittel, sich der
Welt mitzuteilen. Diese Postkarten aber scheinen sich eines alten und nur allzu
gewöhnlichen Tricks bedient zu haben. Sie locken mit Schönheit und Exotik und
verwehren anschließend jegliche Einblicke in ihr Innenleben. Sie bleiben
undefiniert und geheimnisvoll. Mitnehmen will ich keine von ihnen. Ihre
Leere macht mir Angst. Gerne hätte ich gewusst, ob zeitgenössische doppelseitige
(Selbst-)Porträts von Frauen anders auf mich gewirkt und der Idee Mathilde ter
Heijne nicht besser gedient hätten.
Mittwoch, 8. Juli 2009
"Ich bin frei"... Aber wovon?
Obwohl das umfangreiche und komplexe Werk hinreichend fruchtbaren Boden für einen regen Meinungsaustausch zu bieten versprach, nahm die Diskussion recht schnell einen zähen und umständlichen Lauf. Brav beantworteten die Teilnehmerinnen der Reihe um die vagen Fragen der Moderation. Der Begriff der Freiheit, um den sich das Gerede drehte, blieb dabei undefiniert und schwammig. Auf einzelne interessante Beiträge wurde nicht näher eingegangen, sodass eine lohnende Begegnung, etwa in Form einer Konfrontation, der drei geladenen Frauen gar nicht erst stattfinden konnte.
Deutlich wurde allein, dass unsere individualisierte Gesellschaft und die Vielfalt an möglichen Freiheitsdefinitionen es heute erschweren, einen Konsens für eine neue Feminismusdebatte zu finden. Seit 1949 hat sich insofern einiges verändert, als dass wir globaler denken - Beauvoir beschäftigte sich lediglich mit der Frau der westlichen Ersten Welt - und individueller handeln - die Frauen als Kategorie erscheint uns heute einschränkend und grob verallgemeinernd. Ebenso kommen heute zum binären Geschlechterverständnis Beauvoirs eine Menge anderer möglicher Geschlechtsidentitäten und Sexualorientierungen hinzu, die in einer aktuellen Debatte berücksichtigt werden müssen.
Und so kam es, dass in der gestrigen Zusammenkunft selbst einzelne kraftvolle Aussagen sich im allgemeinen trüben Gedankenbrei verflüssigten und die Chance, neue konkrete Thesen aufzustellen, an denen sich wieder die Geister scheiden können, ungenutzt blieb. Schade.
Als Gedankenanstoß und nachträglicher Versuch, für intellektuelle Reibungen zu sorgen, seien an dieser Stelle dennoch einige der bedeutenden Aussagen aufgeführt. Effi Böhlke beklagte die anhaltende Zurückhaltung der Frau, Verhaltensmuster abzuschütteln und Freiräume aufzubrechen. Sie selbst sei emanzipiert worden, als die Beziehung zu ihrem Mann zerbrach, also aus einem passiven Erlebnis und einer gewissen Notwendigkeit heraus. Ingeborg Gleichauf wies auf ihre eigene finanzielle Abhängigkeit hin, aus der sie sich trotz beruflichem Erfolg nicht befreien könne. Beide Frauen sind Mutter dreier Kinder und stehen den Aussagen Beauvoirs über die Mutterschaft distanziert gegenüber (hier hätte ich gerne mehr erfahren). Meredith Haaf, gab an, dass sich Frauen heutzutage zwar nicht mehr geknechtet fühlten, ihre Aggressionen deswegen jedoch nicht mehr nach Außen, sondern nach Innen richteten und so zum Opfer ihrer eigenen Täterschaft würden (Wem wird damit (nicht) gedient?). Bezeichnend war, dass trotz dieser – so fasse ich sie auf - resignierten Appelle, immer wieder auf die positive Entwicklung der Gesellschaft gepocht wurde, dass schon so viel erreicht worden ist und sich ja schon irgendwie frei fühle. Ist eine Bewegung zum Stillstand gekommen?
Glücklicher Weise meldete sich rechtzeitig Gitti Hentschel aus dem Publikum zu Wort. Ob denn, anstatt abzuwarten, dass der Staat (der Mann?) sich zu Gunsten der Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzt, nicht die Frauen zuerst daran arbeiten sollten, die Fesseln ihrer eigenen Sozialisation abzuschütteln? Das setzt immerhin ein Bewusstsein über die aktuelle Lage (von einem selbst) voraus. Die tagtägliche und Stückchenweise Eroberung von selbst bestimmten Handlungsräumen ist unsere Aufgabe und die dürfen wir uns nicht abnehmen lassen. Sie beginnt im Privaten und führt ohne Umwege in die Öffentlichkeit.
selbstbestimmt Gender performen mit Simone de Beauvoir
Sei öfter Simone de Beauvoir!
Dienstag, 7. Juli 2009
"Wir sind zu einer Partei geworden"
Als selbsternannte „personifizierte Frauenbewegung“ unterschrieb Christa Nickels damals als eine der Ersten das Müttermanifest, welches 1987 veröffentlicht wurde, und beteiligte sich intensiv an der kontroversen Diskussion um das Abtreibungsgesetz §218. Nickels, die sich als Mutter zweier Kinder und bekennende Katholikin stets als zwischen den Stühlen sitzend bezeichnet, wies mehrmals im Laufe des Gesprächs, aber vor allem in Bezug auf die Emanzipation, auf die Wichtigkeit hin, Konflikte auszuhalten und gesprächsfähig zu bleiben. So sei das Rotationsprinzip, das 1983 mit den Grünen in den Bundestag einzog, und auch die Frauenfraktion kein Modell für die Zukunft geblieben, aber ein entscheidender Schritt auf dem Weg, Machtverhältnisse neu zu überdenken und gewichten zu wollen, gab zustimmend Müller zu bedenken.
Die Realpolitik habe gezeigt, dass die Unterdrückung von Konkurrenzverhalten kein produktives Mittel zur Gestaltung unserer Gesellschaft sei. Wichtig sei heute, unter Frauen offene Konkurrenz auszutragen und Verletzungen nicht zu scheuen. So läge es vor allem in der Verantwortung weiblicher Führungskräfte, die Kompetenz der Frauen zu fördern und dafür zu sorgen, dass ihre Unterrepräsentanz kontinuierlich aufgehoben wird. Hierarchie fördere den Wettbewerbswillen, so Müller weiter. Keine reglementierte, sondern eine natürliche Rotation sei dabei von Bedeutung. Hängen geblieben ist Christa Nickels abschließender Satz: „Die richtigen Leute am richtigen Ort zur richtigen Zeit sind zwar noch keine Revolution, können aber enorm viel bewegen.“ Ein Aufforderung an uns alle, nicht nur Verantwortung für unsere Verletzlichkeit zu tragen, sondern auch für unser Können und Solidarität zu üben durch aufmerksames Hinhören und aufrichtiges Handeln. Angekommen sind wir noch lange nicht.
Montag, 29. Juni 2009
Was heißt "das andere Geschlecht" für Sie? - Die Zweite!
Den kompletten Film wird es auf dem Gender Happening zu sehen geben.
MV_Boell_16_9.flv
Freitag, 12. Juni 2009
Was heißt "das andere Geschlecht" für Sie? - Erste Impressionen
Viele Menschen haben viele unterschiedliche Antworten gegeben. Einen kleinen Auszug möchten wir schon heute präsentieren und zur Diskussion anregen.
In Kürze werden wir einen weiteren Kurzfilm präsentieren: Spannung ist also angesagt.
Der ganze Film, mit vielen weiteren Fragen, Antworten und Aussagen wird am 06.07.2009 zur Eröffnung des Gender Happenings zu sehen sein.
Web_Strasse.flv
Diskutiert mit im Forum
ak film, das sind: Marlene Bauer, Alex Giegold*, Katrin Köppert und Francesca Schmidt
*Alex ist übrigens unsere Fotografin und hat das Foto für den Blog gemacht.









