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Was ist der Streit-Wert? GWI startet Online-Debatte zu „Grüne Feministen und „Männerrechtlern“
Eher unberührt blieb dieser Diskurs von einer damals schon bestehenden Debatte von mehr oder weniger geschlechterpolitisch bewegten Männer(gruppe)n, sogenannten „Männerrechtlern“ oder auch Frauen, die der Meinung sind, dass gegenwärtige Geschlechterdiskurse – bezogen auf die Inklusion von männerspezifischen Fragestellungen und Männerpolitik(en) – blinde Flecken haben. Die Gleichberechtigung hierzulande sei längst erreicht bzw. schon über’s Ziel hinausgeschossen. Vielerorts wird die Benachteiligung von Jungs und Männern z.B. im Bildungs- oder Gesundheitssystem, als Opfer von Gewalt, beim Sorgerecht oder im Militär reklamiert und „der“ Feminismus dafür verantwortlich gemacht. Auf der anderen Seite steht das ‚Grüne Männermanifest’, das von einer profeministischen Perspektive auf die unzureichende Auseinandersetzung mit den Themen Männerrollen/ männliche Identitäten, Männer und Gesundheit, Väter etc. hinweist.
Das Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung will diese Diskussion aus einer kritischen Perspektive in Blogform begleiten und Ideen und Impulse für zukünftige Geschlechterpolitik(en) sammeln.
u. a. mit
• Sabine Hark, Soziologin und Leiterin des ZIFG, Berlin
• Sebastian Scheele, Soziologe, Berlin
• Kai Gehring, MdB BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Berlin
• Elahe Haschemi Yekani, Anglistin und Gender-Wissenschaftlerin, Berlin
• Volker Handke, Dipl.-Ing. Technischer Umweltschutz und Mitglied beim Forum Männer, Berlin
• Astrid Rothe-Beinlich, MdL BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Erfurt
• Sven Glawion, Germanist und Gender-Wissenschaftler, Berlin
• Andreas Kraß, Literaturwissenschaftler und Experte für Queer Studies, Frankfurt a.M.
Es darf fleißig mitdislutiert werden. Wer einen Beitrag zu dem Thema verfassen möchte, wende sich per Mail an gwi@boell.de.
Montag, 14. Juni 2010
Fußball-Kultur-Festival DISCOVER FOOTBALL
Wo: am Anhalter Bahnhof in Berlin
Der Verein „Fußball und Begegnung e.V.“ lädt ein zum Fußball-Kultur-Festival „DISCOVER FOOTBALL“. Die Vereinsmitglieder sind überweigend Spielerinnen des BSV AL-Dersimspor e.V., gegen dessen Team die iranische Fußball-Nationalelf der Frauen ihr erstes internationales Spiel bestritt.
Im Zentrum des Festivals steht ein Turnier, an dem Fußball-Frauenteams aus Afghanistan, Ecuador, Österreich, Liberia, Sambia und Israel/Palästina teilnehmen. Außerdem rollt der Ball hier auch auf der Leinwand des begleitenden Film-Programms und die letzten Spiele der WM 2010 der Männer lassen sich gemeinsam anschauen.
Einerseits demonstriert das Festival die begegnungsstiftende und geschlechter-emanzipatoische Kraft des Fußballs. Andererseits fehlt aber auch die kritische Reflexion vereinfachender Gleichsetzungen von Fußball und Leben bzw. von Sport und Emanzipation nicht - z.B. mit der Podiumsdiskussion „Selbstbestimmung durch Fußball? - Auf dem Platz Sind alle gleich!?“ am 9. Juli ab 20 Uhr.
Also: Hingehen, WM und Turnier gucken, mitdiskutieren, Filme und Musik genießen!
www.discoverfootball.de
Homophobie im Fußball - Vortrag von Degele/Walther-Ahrens
Wo: Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, Raum 2097
Homophobie im Fußball ist nach wie vor ein Thema. Häufig wird in Bezug auf kickende Frauen vermutet, dass Lesben im Fußball selbstverständlich "out" sein können, während schwule Fußballspieler weiterhin den Rat erhalten, ein Coming-Out zu vermeiden.
Homophobie ist vielschichtig: Der vielzitierte Spruch des Turbine-Potsdam-Trainers, er müsse über die intimen Beziehungen in seinem Team Bescheid wissen, weil sie seine Rolle als Trainer beeinflussen (O-Ton "wenn ich die eine kritisiere, ist die andere beleidigt"), ist nur bedingt ein Hinweis auf die Selbstverstädnlichkeit offen lesbischer Spielerinnen.
Vielmehr schreiben sich darin alt-bekannte frauen- und lesbenfeindliche Diskurse fort: Frauen sind zu weich für den harten Fußball bzw. das harte Training und "harte Ansagen", und lesbische Beziehungen werden als Symbiosen imaginiert, die die Professionalität untergraben.
Weitere Einblicke zum Thema bieten heute im Rahmen der Ringvorlesung "Grenzenlos? Sport und kollektive Identität” der Beitrag von Nina Degele und Tanja Walther-Ahrens.
Für ihren Beitrag mit dem Titel "Homophobie im Fußball" bringen die Refererierenden geballte Kompetenz mit:
Nina Degele ist seit 2000 Professorin für Soziologie und Gender Studies an der Universität Freiburg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören auch Sport- und Körpersoziologie. Sie veröffentlichte zuletzt dazu “Wenn das Runde ins Eckige muss – Stereotypisieren, Reifizieren und Intersektionalisieren in der Geschlechterforschung”.
Tanja Walther-Ahrens ist heute - nach einer erfolgreichen Karriere als Profifußballerin u.a. bei Tennis Borussia Berlin und Turbine Potsdam und parallelem Sportstudium - beim SV Seitenwechsel aktiv. Seit 2006 ist sie Delegierte der European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF) beim europäischen Netzwerk Football Against Racism in Europe (FARE). Tolerantia-Preis 2008.
Montag, 31. Mai 2010
„2010“
64 Spiele werden vom 11. Juni – 11. Juli 2010 in neun verschiedenen Stadien ausgetragen bis feststeht, welche der 32 Mannschaften nach Italien den WM-Pokal übernimmt. Gute Chancen werden dem amtierenden Europameister Spanien zugesprochen, aber auch Teams wie Brasilien und England stehen wieder hoch im Kurs.
Südafrika hat es entgegen allen Zweifler_innen geschafft: Alle fünf neugebauten Stadien sind fertig gestellt, es gibt ein verbessertes Verkehrssystem und Unterkünfte für die erwarteten Besucher_innen stehen mehr als genug zur Verfügung.
Dennoch ist die Stimmung kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft gespalten: Bei aller Vorfreude auf die Spiele melden sich auch immer wieder Kritiker_innen zu Wort. Auf Grund der weltweiten Wirtschaftskrise wurde die Zahl der erwarteten Tourist_innen bereits zweimal nach unten korrigiert, es wird befürchtet, dass einige der neugebauten Hotels nicht ausgebucht sein werden. Umweltaktivist_innen kritisieren, dass diejenigen die kommen, sich durch die Anreise mit dem Flugzeug meist äußerst CO2 intensiv fortbewegen werden. In mehreren Austragungsorten wurden zudem Zwangsumsiedlungen der Bewohner_innen durchgeführt: allein in Kapstadt wurden nach Angaben der Vereinten Nationen über 20.000 Menschen aus einer so genannten „Elendssiedlung“ an den Stadtrand „umgesiedelt“. Zahlreiche Straßenhändler_innen wurden aus den Stadtzentren verdrängt um für „mehr Sicherheit“ zu sorgen und offiziellen FIFA Verkaufsständen Platz zu machen. Nicht zuletzt sorgt das Thema Prostitution nach wie vor für hitzige Debatten: offiziell ist sie in Südafrika verboten, inoffiziell gibt es unzählige Sexarbeiter_innen. Das offizielle Verbot führt dazu, dass diese keinerlei Ansprüche auf Schutz vor staatlichen Repressionen haben, viele fürchten für die Dauer der Weltmeisterschaft „weggesperrt“ zu werden.
In den kommenden Wochen wollen wir die Fußballweltmeisterschaft der Männer an dieser Stelle aus kritischer Perspektive begleiten. Wir wollen Kommentare, Links und Anregungen geben, die die Möglichkeit bieten hinter die Kulissen der großen und gut ausgeleuchteten Stadien zu blicken.
Mittwoch, 24. März 2010
Gender is Happening-Dokumentation als CD
Neulich war ich mal wieder am Veranstaltungsort von Gender is Happening - am Gunda Werner Institut in Berlins Mitte. Ich war dort mit etwa 50 anderen Frauen anlässlich des 33. Green Ladies Lunch zum Thema "Feminismus im Web2.0 - Im Spannungsverhältnis zwischen Öffentlichkeit und Privatheit". Und so ganz "nebenbei" fand sich im Foyer die in der Blogüberschrift erwähnte Dokumentation. Sie enthält neben dem Programm sowie dem Plakat v.a. 3 Filmbeiträge und eine umfangreiche Fotosammlung.
"Gender is Happening-Dokumentation als CD " vollständig lesen »
Dienstag, 16. Februar 2010
Abschluss der Kampagne "125 Jahre Berliner Afrikakonferenz"
Mehr als 75 Organisationen und Institutionen der Bundesrepublik haben auf über 50 Veranstaltungen die Kampagne bislang unterstützt.
Der Abschluss der Kampagne beginnt um 11Uhr mit einem Festakt zur Umbenennung des Berlin-Kreuzberger "Gröbenufers" in "May-Ayim-Ufer". Ab 13 Uhr beginnt der Gedenkmarsch für die afrikanischen Opfer von Sklavenhandel, Sklaverei, Kolonialismus und rassistischer Gewalt statt.
Ort: Berlin-Kreuzberg/Friedrichshain, Zirkus Cabuwazi, Gröbenufer/May-Ayim-Ufer 2
Zeit: Samstag 27. Februar 2010 11Uhr
Die Abschlusseinladung zum download.
Donnerstag, 21. Januar 2010
Roadmap to 1325 - Resolution for Gender-Sensitive Peace and Security Policies
These developments are being followed critically by peace networks and experts from civil society. For quite some time women’s organizations and feminist networks have been increasingly involved, putting the gender perspective back on the agenda. Since October 2000, UN Security Council Resolution 1325 has been paving the way to greater gender sensitivity in peace and security policy. It could be a milestone for gender-equitable security policy. But up to now this resolution has not developed its own institutional strength within the UN system and the international community. This volume contributes to filling the gap in knowledge about approaches both to gender-sensitive peace and security policy.
With contributions by Sanam Naraghi Anderlini, Andreas Zumach, Karen Barnes, Lynne Christine Alice, Mariam Notten, Ute Scheub and others.
Roadmap to 1325
Resolution for gender-sensitive peace and security policies
Edited by the Gunda Werner Institute for Feminism and Gender Democracy in the
Heinrich Böll Foundation
Verlag Barbara Budrich, Leverkusen/Farmington Hills 2010, 224 Seiten, 22,- Euro
ISBN 978-3-86649-311-7
Order this book at the Bookshop of the Heinrich Böll Foundation
Heinrich-Böll-Stiftung
Schumannstr. 8, 10117 Berlin
Phone: 030-285340, Fax: 030-28534109
E-mail: info@boell.de
Dienstag, 1. Dezember 2009
Wehrpflicht auch für Frauen?
Wichtig ist es bei allen Diskussionen um Geschlechtergerechtigkeit durch Wehrpflicht, nicht aus den Augen zu verlieren, dass diese (wenn überhaupt) nicht mit dem bloßen gleichen Zwang für Frauen erreichbar wäre. Außerdem darf die grundsätzliche Fragwürdigkeit einer Institution wie der Bundeswehr nicht vergessen werden. Die Debatte kann daher mit der Beantwortung der Frage „Wehrpflicht für Frauen – ja oder nein“ nicht zu Ende sein.
Montag, 26. Oktober 2009
Chicks with guts – “Fuck about the mainstream“
Am Samstag den 24.10. hieß es unter dem Titel „Chicks with guts“ über den Einfluss von Frauen im Pornogeschäft zu diskutieren sowie sich über ihr feministisches und/oder queeres und damit irgendwie rebellisches Potential bzw. Engagement auszutauschen.
Rede und Antwort standen Anna Brownfield (Melbourne – Australien), die als feministische Erotikfilmerin angekündigt wurde; Shine Louise Housten (San Francisco – USA) lesbische Pornofilmerin; Ovidie (Paris – Frankreich) Regisseurin und Produzentin für das Label French Lover TV; Anna Peak (Berlin – Deutschland) queere Videokünstlerin; Renee Pornero (Wien – Österreich) Mainstream-Pornofilmemacherin (und früher auch aktive Darstellerin) und nicht zuletzt Julie Simone (Los Angeles – USA) BDSM und Fetisch-Filmemacherin.
Die Auswahl erschien viel versprechend, waren doch aus allen Bereichen „der Pornoindustrie“ Menschen vertreten. Von queer, über feministisch oder BDSM bis hin zum viel gescholtenen Mainstream.
Muss Porno sich auch sprachlich ändern?
Eine der wichtigsten Fragen, abseits von Produktionsbedingungen, die erschöpfend diskutiert wurden, war die Frage nach einer möglichen Umbenennung des Begriffs Porno. Diese Frage war auch deshalb interessant, weil sich alle dezidiert als Pornofilmemacherinnen bzw. Pornografinnen vorgestellt haben. So ist es nicht verwunderlich, dass fast einhellig gesagt wurde, dass eine „Umbenennung“ oder die Suche nach einem neuen Wort für Porno nicht zielführend ist. Dass das im allgemeinen der Fall ist, scheint verständlich – nicht ganz nachvollziehbar war, warum Bezeichnungen wie „feministischer Porno“ oder „queerer Porno“ so vehement abgelehnt wurden? Was verliert mensch mit solch einer Erweiterung, wenn die Inhalte und Stilistiken den Mainstream zu verschieben in der Lage sind? Meines Erachtens kann ein „queerer“ Porno nur diejenigen Kund_innen verlieren, die ein 80/20 Verhältnis (80% Sex, 20% „Handlung“ inkl. Anfang und Abspann) vorziehen, keine kritische Hinterfragung der Herrschaftsverhältnisse wünschen, die es mögen, wenn Frauen auf die immer gleiche Weise in oftmals erniedrigter Position dargestellt werden. Gewonnen werden kann mit jenem Labeling allerdings ein Kundenkreis, der den Mainstream entweder leid ist, oder der in Porn ein kritisches Potential sieht und nachhaltige sowie faire Produktionsbedingungen durchaus markiert wissen möchte. Queer als Bio-Siegel für fairen und dennoch spannenden Porno? Warum nicht, solange dies gewährleistet, was das Siegel verspricht.
Jürgen Brüning, einer der Festivalorganisatoren und Moderator ging soweit zu sagen, es gäbe keinen feministischen Porno und reproduziert damit jene Abwehr etwas dann mutig zu benennen, wenn sich herrschaftskritisches Potential in den Filmen verbirgt. Zumal am 17.Oktober in Berlin erstmalig ein feministischer Pornofilmpreis vergeben wurde, der explizit einen Kontrapunkt zur sexistischen Mainstream-Pornografie zu setzen bzw. nur Filme mit feministischer, (queerer) Sicht zu berücksichtigen versucht und eine derjenigen ehrte, die dem Panel beiwohnte - Shine Louise Housten.
Anna Peak meinte dazu: „Making Porn is dealing with boxes and stereotypes“, daraus folgt: „define your own boxes“ – wenn schon neue Schubläden, dann kann mensch diese doch auch benennen.
Um die Mechanismen des Mainstream Porno zu ändern muss mensch sie unterwandern und in sie „eindringen“
Wie nun aber umgehen mit dem Mainstream – ihn so lassen wie er ist, ein Milliardengeschäft ohne Skrupel. Wie können Menschen neue Blickgewohnheiten näher gebracht werden, wie kann auch Porno kritisch auf Sexualität und alles was daraus resultiert blicken? Wie neue Wege, Alternativen, „Realitäten“ aufzeigen?
Das Podium war sich uneinig über den Weg der bestritten werden kann oder sollte. Während z.B. Renee Pornero einerseits Mainstreampornos (80/20) dreht und sich in den Strukturen bewegt, empfand sie den Eröffnungsfilm „The Band“ von Anna Brownfield (20/80) als das Non-Plus-Ultra für einen guten Porno. Doch woran orientiert sich ein guter Porno? Sicherlich nicht nur daran, was anmacht, sondern auch welche Bilder von Geschlechterverhältnissen er in Szene setzt und wie er diese Bilder in Szene setzt. Ein funktionierender Plot und „wenige“ explizite Sexszenen können gleichermaßen erregen, wie der Film „Madrid 147“ von Sico Dice (im Kurzfilmprogramm „Experimental Porn“) auf so simple wie auch eindringliche Weise. Unabhängig davon, dass in diesem Film nur ein vermeintlich heterosexuelles Pärchen beim Sex zu hören war, ist auch dieser Film „queer“, insofern er Blickregime zu unterwandern in der Lage ist.
Filme für und mit einer queeren Community zu produzieren, wie Anna Peak es praktiziert, kann ebenso queer sein, kann ein nicht-kommerzielles Interesse der Protagonist*innen vorausgesetzt werden. Aber auch Shine Louise Housten´s Traum, ein eigenes Imperium für queeren Porno aufzubauen, thematisiert die wichtige Komponente, den Mainstream-Markt mit eigenen Mitteln zu zerschlagen.
Fuck about the Mainstream – was bleibt
Ein kritischer Blick, Kreativität und Durchhaltevermögen benötigen all jene, die dem Mainstream den Rücken kehren.
Und wenn wir wollen, dass das so bleibt, dass queere, feministische, alternative „Pornos“ auf dem Markt verfügbar sind, dann sollten wir diese kleinen, vielleicht ersten zaghaften Versuche unterstützen und würdigen. Porno kann durchaus „anders“ sein, auch wenn es Anstrengungen derer bedeutet, die die Filme produzieren und derer, die ihre Sehgewohnheiten umstellen müssen.
Noch mehr interessantes rund ums Thema Porno bot eine Diskussion während des Gender Happenings.
Mittwoch, 15. Juli 2009
Finanz- und Wirtschaftskrise und global keine Abwesenheit von Krieg – Was hat „Gender“ damit zu tun?
Dienstag 7.7.2009 19:30 Großer Saal 1
Dr. rer. pol. Christa Wichterich, Soziologin, Publizistin, "Wide", Bonn
Dr. phil. Alexandra Scheele, Universität Potsdam
Deborah Ruggieri, attac, Frankfurt, Österreich
Mod: Barbara Unmüßig, Vorstand Heinrich Böll Stiftung
Mittwoch 8.7.09 16:30 Konferenzraum: UN-Resolution 1820 – Sex und Gewalt im Kriegskontext
Irmingard Schewe Gerigk – MdB, Bündnis 90/ Die Grünen
Cordula Reimann, Swiss Peace Dr. Rolf Pohl, Uni Hannover
Mod: Ute Scheub
Wie kehrt sich das Innere der Systemkrise nach außen?
Frau war sich einig: die eigentlichen Chancen einer Krise – ein an die Wurzeln gehender Umbau - werden aktuell vertan. Eine wirkliche, also re_produktive Strukturreform, welche nämlich grenzenlose (Natur-) Ausbeutung und schreiende Ungerechtigkeit, womöglich auch kriegerische Auseinandersetzungen um Ressourcen unterbinden könnte, gibt es von_oben nicht. Wie derweil Graswurzeln gegen die Abwrackprämien - ´Konjunkturpakete längs des Wachstumsdogmas´ (Alexandra Scheele) stark werden könnten, dazu gab es einige Tipps – nicht zuletzt: „Frauen, denkt ökonomisch!“ (Nancy Fraser zitiert von Deborah Ruggieri).
Das ganze Haus wie haushalten?
Während sich die Natur in Überschwemmungen und Wind- und Wetterkatastrophen äußert, ackern die Humanen weltweit an gegen „die schon lange währende, chronische Krise des Überlebens" (Christa Wichterich). Jeden Tag verhungern dabei weltweit 24.000 Menschen, davon 10.000 Kinder. Oder sie werden zur Abwendung von Armut in erzwungene Sexarbeit verkauft.
In Deutschland scheint der Aufschrei von_unten eingebettet: der Abbau der Geldautonomievermittlung in der "Ernährerrolle" für die große Mehrzahl von Männern und der Zuwachs der flexiblen, un- oder schlecht bezahlten re_produktiven Mehrarbeit vor allem von Frauen verschränken sich so, dass steuerliches Ehegatten s p l i t t i n g (Scheele) im Niedergang der Heirats- und Geburtenrate f a k t i s c h wird (und es entlarvt sich so als negativ für´s gender).
A global sex-, marriage- and labour m a r k e t schafft dabei - global entfesselt - im Grunde keine Abhilfe in solchem gender gap of re_production; grausam und bleibend skandalös ist, dass die ursprüngliche Akkumulation mit „trafficking in wo_men“ einsetzte (zum Zusammenhang s. auch Brigitte Young u.a., Saskia Sassen und Working on It).
Bleibt es auch fortgesetzt archaisch?
In sinnlicher Vision (Ruggieri) ließe sich Gattung – jeweils vor Ort – befriedigter und geschlechterdemokratisch verbünden, wenn jeder_r täglich 4 Stunden Erwerbszeit und 4 Stunden für „Sozialarbeit an sich selbst“ hätte – diese Idee zur Arbeitszeitverkürzung von Frigga Haug ließe nicht zuletzt die verunsicherte männliche Erwerbsrolle in einer neuen Form der Verantwortungsübernahme um Kind_er sinnen_voll er_füllen. Statt in der turbulenten Akkumulationslogik zu oft Schrott produzieren oder verspekulieren zu müssen, könnte man im Nahbereich plus (virtuellem) Networking, endlich engendered dem gynozentrischen Leben Raum geben: nämlich achtsam mit den vorhandenen Elementen umgehen, statt Elementarteilchen ab_ziehen.
Vielleicht könnte Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC) als Nutz_g_nießer von Solarstrom aus der nordamerikanischen Wüste ein Prototyp sein; doch nur dann zu Recht, wenn auf „halben Stellen“ black women „drin“ und die afrikanischen Völker mit Strom versorgt wären_zugleich!
Auf diesem Kontinent kommen derweil zwei andere Agenden zusammen: Es ist der ersten weiblichen Präsidentin in Liberia noch nicht möglich, die sexuelle Gewalt an Frauen im Gefolge des Bürgerkrieges einzudämmen (Cordula Reimann). Zugleich zeitigt in Namibia ein bedingungsloses, individuelles Grundeinkommen positive Erfolge im Gemeinwesen. Dies lässt mich zum Zusammenhang von Gewalt und geldwerter Anerkennung von der Einzelseele kommen: „Welche Ansätze und ´Wege zur sozialverträglichen Eindämmung der menschlichen Aggressivität´ gibt es?“
Was bedeutet es denn, wenn Menschen deshalb in den Krieg ziehen, weil sie finanziell sonst kein Überleben sichern können? Was bedeutet es, wenn sich das deutsche Militär durch das neu-deutsche Ehrenkreuz reformieren will - damit zugleich das programmierte Sterben? Ergäben sich aus einer allgemeinen Option für individuelles, bedingungsloses Grundeinkommen nicht tiefer gehende Chancen, von vornherein auch männliche Gewalterfahrungen, wie sie aus den und um die Bastionen der Männlichkeitsformierung bekannt werden (Ute Scheub), zu unterbinden? Selbst-„Unterdrückung verlernen“ bedeutet dabei nach Anne Bishop u.a. das Erlernen einer Dialogfähigkeit, die unterscheidet zwischen Schuld und Verantwortung, die Verletzbarkeit als Lebendigkeit zulässt, dabei aber nicht das Gegenüber mit dem eigenen Unglück verhaftet, um Herr zu bleiben (s.)
Ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen sexualisierte Gewalt als Kriegsmittel bleibt die UN-Resolution 1820, die am 19.06.2008 verabschiedet wurde und sexualisierte Gewalt als Kriegsverbrechen brandmarkt. Auch wenn frau zwischen der UNO - als supranationalem Garanten von Menschenrechten - und der Umsetzung ihrer Dokumente in nationalen Politiken den Prozess der „Politikverdunstung“ erlebt (Wichterich; Hintergründe auch) : unten mag oben sein! Oben ist unten.
Allein Erziehende werden ohne dieses Allgemeingut weiter „am Rande des Nervenzusammenbruchs“ die „soziale Airback-Funktion von Frauen“ austragen (Wichterich). Sie sind dabei, ähnlich wie die senioren Erziehungs-Hausfrauen der alten Bundesrepublik mit nur geringer sozialer Sicherung, spätestens beim splitting gegen die Krise völlig ungewappnet (Ruggieri).
Die Care-Economy – beziehungsweise insgesamt das „Segment personennaher Dienstleistungen, Alten_Pflege und Kultur“ - zu stärken, würde in der „Trias Politik/ Sozialstaat_Familie_Wirtschaft“ (Scheele) global nachhaltiger wirken als der Verhau von Geldern im alten Industrie-Segment - ohne die Auflage, nur noch 3-Liter-Autos zu bauen. Hat nun die Absage an Arcandor/ Karstadt als zu_früh_Kriselnde auch etwas mit gender zu tun?
to dos / apple : Alexandra Scheele • Frage: Wie und worauf konzentriert sich verbünden? Christa Wichterich • Das Casino schließen": keine Spekulation mit Lebensmitteln und sozialer Sicherung d.h. Gesund-Schrumpfung des Systems Finanzmarkt • "Kapitalismus in den Köpfen knacken", dazu WERT_E_D: Welche Art Wohlstand wollen wir? • Wirtschaftsdemokratisches Einschalten in die Bürger-Haushalte Deborah Ruggieri (attack) • Gender-taxing und –budgeting, also Transparenz über die Betroffenheit und Involviertheit der Geschlechter in - Kapitalflüsse - Besteuerung - „Fleischtöpfe zur Arbeitsplatzsicherung" • Vorbereitung auf die (Nach-Wahlkampf)-Verhandlung: Wer kommt steuerlich wie auf bei der staatlichen Krisenregulierung? • Kapitaltransfersteuer (Tobin) und Vermögensbesteuerung • Verschluss von Steueroasen, die nicht zuletzt Gelder aus Waffen- und Frauenhandel schmutzig bleiben lassen.
Freitag, 10. Juli 2009
Privilegierungen - wer, wo, wie?
Wie aber funktioniert ein System, in dem angeblich keineR von ungleichen Machtstrukturen profitiert, diese aber offensichtlich existieren, wie das Wort 'Opfer' zeigt? Wer übt dann überhaupt Macht aus? Wenn dies nicht benennbar ist, wie erhält sich diese Macht und warum ist es offensichtlich so schwer, diese Strukturen zu ändern? "Privilegierungen - wer, wo, wie?" vollständig lesen »
Donnerstag, 9. Juli 2009
feministisch auf die Eins
Wer bisher noch nie hinter den Drehern gestanden hatte, war schnell dabei - Mart Busche fing tatsächlich "in the beginning" an und erläuterte den grundlegenden Aufbau von Plattenspielern, CD-Mixern, Mischpulten und ihr Zusammenwirken. Dann ging es an die Praxis: Vom Radiofade, also dem "einfachen" Übergang von zwei Stücken, bis zum Beatmatching, dem Aufeinanderlegen der unterschiedlichen Beats, aus dem schließlich ein Mix entsteht, konnten die Teilnehmerinnen die Techniken live ausprobieren. Als special guest war 'Lindas Tante' dabei, die in die Kunst des Scratchens einführte. Am Ende blieb genügend Raum für alle, Mixversuche an ihren eigenen Platten zu machen - Mart Busche ließ sich dabei gern auf alle Stile ein und gab kreative Impulse.
Ein anderer wichtiger Impuls stand gleich am Anfang und war auch ein roter Faden: Nämlich der, das Auflegen auch als eine mögliche queer-feministische Praxis zu begreifen. Die Geschichte der turntable-Kunst ist definitiv eine männliche - God is not a DJ_ane! Grund genug, sich hinter die Decks zu wagen - und auch die Position als eine politische wahrzunehmen. Denn hier entscheidest DU, was laut über die Boxen geht!
Zu haben: Women to go
der Heinrich Böll Stiftung in Berlin Mitte werden derzeit und noch bis zum 11. Juli Frauen zum Mitnehmen – „Women to go“ – in Postkartenformat auf
drei entsprechenden mobilen Ständern den Besuchern des Hauses zur Schau
gestellt. Mathilde ter Heijnes Installation im unmittelbaren Eingangsbereich
wirkt zunächst ästhetisch anziehend und motiviert, der eigenen visuellen sowie
haptischen Neugierde nachzugehen.
Auf den Karten sind fotografische Darstellungen
unterschiedlicher Frauen aus dem 19. Jahrhundert zu sehen. Mehr noch, und das
vorwiegend, gibt sich bald ein ethnografischer, ein männlicher, von außen
kommender Blick auf die zum Objekt mutierten Frauen zu erkennen. Obwohl
zunächst ihre Individualität hervorgehoben zu sein scheint, wird bald deutlich,
dass sie in Haltung, Kleidung und Sitte ihrer Zeit und ihrem jeweiligen
Kulturkreis höchst angepasst sind. Für zusätzliche Irritation sorgt die kurze
Biografie einer vermeintlich berühmten anderen Frau auf der
Postkartenrückseite. Durch die willkürliche Verbindung von Text und Bild,
scheitert die hoffnungsvolle Suche nach einem erkennbaren Gegenüber, nach einer
greifbaren Identität.
Postkarten stellen oft Erinnerungsstücke dar, dienen
als Projektionsfläche für Ideen und Sehnsüchte und bieten ein Mittel, sich der
Welt mitzuteilen. Diese Postkarten aber scheinen sich eines alten und nur allzu
gewöhnlichen Tricks bedient zu haben. Sie locken mit Schönheit und Exotik und
verwehren anschließend jegliche Einblicke in ihr Innenleben. Sie bleiben
undefiniert und geheimnisvoll. Mitnehmen will ich keine von ihnen. Ihre
Leere macht mir Angst. Gerne hätte ich gewusst, ob zeitgenössische doppelseitige
(Selbst-)Porträts von Frauen anders auf mich gewirkt und der Idee Mathilde ter
Heijne nicht besser gedient hätten.
Mittwoch, 8. Juli 2009
"Ich bin frei"... Aber wovon?
Obwohl das umfangreiche und komplexe Werk hinreichend fruchtbaren Boden für einen regen Meinungsaustausch zu bieten versprach, nahm die Diskussion recht schnell einen zähen und umständlichen Lauf. Brav beantworteten die Teilnehmerinnen der Reihe um die vagen Fragen der Moderation. Der Begriff der Freiheit, um den sich das Gerede drehte, blieb dabei undefiniert und schwammig. Auf einzelne interessante Beiträge wurde nicht näher eingegangen, sodass eine lohnende Begegnung, etwa in Form einer Konfrontation, der drei geladenen Frauen gar nicht erst stattfinden konnte.
Deutlich wurde allein, dass unsere individualisierte Gesellschaft und die Vielfalt an möglichen Freiheitsdefinitionen es heute erschweren, einen Konsens für eine neue Feminismusdebatte zu finden. Seit 1949 hat sich insofern einiges verändert, als dass wir globaler denken - Beauvoir beschäftigte sich lediglich mit der Frau der westlichen Ersten Welt - und individueller handeln - die Frauen als Kategorie erscheint uns heute einschränkend und grob verallgemeinernd. Ebenso kommen heute zum binären Geschlechterverständnis Beauvoirs eine Menge anderer möglicher Geschlechtsidentitäten und Sexualorientierungen hinzu, die in einer aktuellen Debatte berücksichtigt werden müssen.
Und so kam es, dass in der gestrigen Zusammenkunft selbst einzelne kraftvolle Aussagen sich im allgemeinen trüben Gedankenbrei verflüssigten und die Chance, neue konkrete Thesen aufzustellen, an denen sich wieder die Geister scheiden können, ungenutzt blieb. Schade.
Als Gedankenanstoß und nachträglicher Versuch, für intellektuelle Reibungen zu sorgen, seien an dieser Stelle dennoch einige der bedeutenden Aussagen aufgeführt. Effi Böhlke beklagte die anhaltende Zurückhaltung der Frau, Verhaltensmuster abzuschütteln und Freiräume aufzubrechen. Sie selbst sei emanzipiert worden, als die Beziehung zu ihrem Mann zerbrach, also aus einem passiven Erlebnis und einer gewissen Notwendigkeit heraus. Ingeborg Gleichauf wies auf ihre eigene finanzielle Abhängigkeit hin, aus der sie sich trotz beruflichem Erfolg nicht befreien könne. Beide Frauen sind Mutter dreier Kinder und stehen den Aussagen Beauvoirs über die Mutterschaft distanziert gegenüber (hier hätte ich gerne mehr erfahren). Meredith Haaf, gab an, dass sich Frauen heutzutage zwar nicht mehr geknechtet fühlten, ihre Aggressionen deswegen jedoch nicht mehr nach Außen, sondern nach Innen richteten und so zum Opfer ihrer eigenen Täterschaft würden (Wem wird damit (nicht) gedient?). Bezeichnend war, dass trotz dieser – so fasse ich sie auf - resignierten Appelle, immer wieder auf die positive Entwicklung der Gesellschaft gepocht wurde, dass schon so viel erreicht worden ist und sich ja schon irgendwie frei fühle. Ist eine Bewegung zum Stillstand gekommen?
Glücklicher Weise meldete sich rechtzeitig Gitti Hentschel aus dem Publikum zu Wort. Ob denn, anstatt abzuwarten, dass der Staat (der Mann?) sich zu Gunsten der Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzt, nicht die Frauen zuerst daran arbeiten sollten, die Fesseln ihrer eigenen Sozialisation abzuschütteln? Das setzt immerhin ein Bewusstsein über die aktuelle Lage (von einem selbst) voraus. Die tagtägliche und Stückchenweise Eroberung von selbst bestimmten Handlungsräumen ist unsere Aufgabe und die dürfen wir uns nicht abnehmen lassen. Sie beginnt im Privaten und führt ohne Umwege in die Öffentlichkeit.
Sei öfter Simone de Beauvoir!




