Artikel mit Tag gender
Dienstag, 23. Februar 2010
Who cares? Queerfeminismus und Ökonomiekritik
Dienstag, 16. Februar 2010
Abschluss der Kampagne "125 Jahre Berliner Afrikakonferenz"
Mehr als 75 Organisationen und Institutionen der Bundesrepublik haben auf über 50 Veranstaltungen die Kampagne bislang unterstützt.
Der Abschluss der Kampagne beginnt um 11Uhr mit einem Festakt zur Umbenennung des Berlin-Kreuzberger "Gröbenufers" in "May-Ayim-Ufer". Ab 13 Uhr beginnt der Gedenkmarsch für die afrikanischen Opfer von Sklavenhandel, Sklaverei, Kolonialismus und rassistischer Gewalt statt.
Ort: Berlin-Kreuzberg/Friedrichshain, Zirkus Cabuwazi, Gröbenufer/May-Ayim-Ufer 2
Zeit: Samstag 27. Februar 2010 11Uhr
Die Abschlusseinladung zum download.
Donnerstag, 14. Januar 2010
CFP: 'Gender and Conflict': Special issue of Feminist Review
'Gender and Conflict': Special issue of Feminist Review
Feminist Review is an interdisciplinary, agenda-setting publication
that insists on the theoretical and strategic centrality of gender in
all its complexity. By encouraging special attention to the ways in
which gender, race, ethnicity, and sexuality intersect, this special
issue seeks to explore the complex and multiple ways in which gender
as an analytical lens can enhance interdisciplinary understandings of
conflict and political violence.
Contributions might include explorations of the following questions:
• What methodologies and theoretical approaches are best suited to
illuminating the ways in which gender, race, ethnicity, and sexuality
intersect or become mutually constitutive in conditions of political
violence?
• In seeking to better understand both gender and political violence,
how can the relationship(s) between feminist theory(ies) and activism
be conceived?
• How have developments in science (forensics, weaponry, information
and communication technologies) affected the nature of violent
conflict and its aftermaths? How are these gendered?
• How do ideas about gender identity figure in personal narratives of
conflict? How do these relate to the various ways in which gender
identities are strategically represented by state and non-state
actors?
• How do experiences and practices of political violence organise the
production and maintenance of gender roles? What are the embodied
dimensions? The performative?
• How do women and men differently accommodate and acclimatize to
prolonged conflict?
• How do (inter)national (and multiple) media forms construct
particular gendered understandings of actors in conflict?
• What are the gender dimensions of commemorations of political
violence and victims of conflict?
The above list is not exhaustive and the guest editors would welcome
submissions from scholars in politics, anthropology, gender and
sexuality studies, history, human rights studies, science and
technology studies, International Relations, development and other
interdisciplinary fields. The special issue invites contributions that
offer new theoretical insights into and/or empirical observations of
the violent practices that regulate gender and the gendered logics
that sustain conflict.
Please send abstracts of no more than 500 words to Lori Allen
(laa2(aet)cam.ac.uk) and Laura J. Shepherd (l.j.shepherd(aet)bham.ac.uk) by 1
FEBRUARY 2010.
Montag, 26. Oktober 2009
Chicks with guts – “Fuck about the mainstream“
Am Samstag den 24.10. hieß es unter dem Titel „Chicks with guts“ über den Einfluss von Frauen im Pornogeschäft zu diskutieren sowie sich über ihr feministisches und/oder queeres und damit irgendwie rebellisches Potential bzw. Engagement auszutauschen.
Rede und Antwort standen Anna Brownfield (Melbourne – Australien), die als feministische Erotikfilmerin angekündigt wurde; Shine Louise Housten (San Francisco – USA) lesbische Pornofilmerin; Ovidie (Paris – Frankreich) Regisseurin und Produzentin für das Label French Lover TV; Anna Peak (Berlin – Deutschland) queere Videokünstlerin; Renee Pornero (Wien – Österreich) Mainstream-Pornofilmemacherin (und früher auch aktive Darstellerin) und nicht zuletzt Julie Simone (Los Angeles – USA) BDSM und Fetisch-Filmemacherin.
Die Auswahl erschien viel versprechend, waren doch aus allen Bereichen „der Pornoindustrie“ Menschen vertreten. Von queer, über feministisch oder BDSM bis hin zum viel gescholtenen Mainstream.
Muss Porno sich auch sprachlich ändern?
Eine der wichtigsten Fragen, abseits von Produktionsbedingungen, die erschöpfend diskutiert wurden, war die Frage nach einer möglichen Umbenennung des Begriffs Porno. Diese Frage war auch deshalb interessant, weil sich alle dezidiert als Pornofilmemacherinnen bzw. Pornografinnen vorgestellt haben. So ist es nicht verwunderlich, dass fast einhellig gesagt wurde, dass eine „Umbenennung“ oder die Suche nach einem neuen Wort für Porno nicht zielführend ist. Dass das im allgemeinen der Fall ist, scheint verständlich – nicht ganz nachvollziehbar war, warum Bezeichnungen wie „feministischer Porno“ oder „queerer Porno“ so vehement abgelehnt wurden? Was verliert mensch mit solch einer Erweiterung, wenn die Inhalte und Stilistiken den Mainstream zu verschieben in der Lage sind? Meines Erachtens kann ein „queerer“ Porno nur diejenigen Kund_innen verlieren, die ein 80/20 Verhältnis (80% Sex, 20% „Handlung“ inkl. Anfang und Abspann) vorziehen, keine kritische Hinterfragung der Herrschaftsverhältnisse wünschen, die es mögen, wenn Frauen auf die immer gleiche Weise in oftmals erniedrigter Position dargestellt werden. Gewonnen werden kann mit jenem Labeling allerdings ein Kundenkreis, der den Mainstream entweder leid ist, oder der in Porn ein kritisches Potential sieht und nachhaltige sowie faire Produktionsbedingungen durchaus markiert wissen möchte. Queer als Bio-Siegel für fairen und dennoch spannenden Porno? Warum nicht, solange dies gewährleistet, was das Siegel verspricht.
Jürgen Brüning, einer der Festivalorganisatoren und Moderator ging soweit zu sagen, es gäbe keinen feministischen Porno und reproduziert damit jene Abwehr etwas dann mutig zu benennen, wenn sich herrschaftskritisches Potential in den Filmen verbirgt. Zumal am 17.Oktober in Berlin erstmalig ein feministischer Pornofilmpreis vergeben wurde, der explizit einen Kontrapunkt zur sexistischen Mainstream-Pornografie zu setzen bzw. nur Filme mit feministischer, (queerer) Sicht zu berücksichtigen versucht und eine derjenigen ehrte, die dem Panel beiwohnte - Shine Louise Housten.
Anna Peak meinte dazu: „Making Porn is dealing with boxes and stereotypes“, daraus folgt: „define your own boxes“ – wenn schon neue Schubläden, dann kann mensch diese doch auch benennen.
Um die Mechanismen des Mainstream Porno zu ändern muss mensch sie unterwandern und in sie „eindringen“
Wie nun aber umgehen mit dem Mainstream – ihn so lassen wie er ist, ein Milliardengeschäft ohne Skrupel. Wie können Menschen neue Blickgewohnheiten näher gebracht werden, wie kann auch Porno kritisch auf Sexualität und alles was daraus resultiert blicken? Wie neue Wege, Alternativen, „Realitäten“ aufzeigen?
Das Podium war sich uneinig über den Weg der bestritten werden kann oder sollte. Während z.B. Renee Pornero einerseits Mainstreampornos (80/20) dreht und sich in den Strukturen bewegt, empfand sie den Eröffnungsfilm „The Band“ von Anna Brownfield (20/80) als das Non-Plus-Ultra für einen guten Porno. Doch woran orientiert sich ein guter Porno? Sicherlich nicht nur daran, was anmacht, sondern auch welche Bilder von Geschlechterverhältnissen er in Szene setzt und wie er diese Bilder in Szene setzt. Ein funktionierender Plot und „wenige“ explizite Sexszenen können gleichermaßen erregen, wie der Film „Madrid 147“ von Sico Dice (im Kurzfilmprogramm „Experimental Porn“) auf so simple wie auch eindringliche Weise. Unabhängig davon, dass in diesem Film nur ein vermeintlich heterosexuelles Pärchen beim Sex zu hören war, ist auch dieser Film „queer“, insofern er Blickregime zu unterwandern in der Lage ist.
Filme für und mit einer queeren Community zu produzieren, wie Anna Peak es praktiziert, kann ebenso queer sein, kann ein nicht-kommerzielles Interesse der Protagonist*innen vorausgesetzt werden. Aber auch Shine Louise Housten´s Traum, ein eigenes Imperium für queeren Porno aufzubauen, thematisiert die wichtige Komponente, den Mainstream-Markt mit eigenen Mitteln zu zerschlagen.
Fuck about the Mainstream – was bleibt
Ein kritischer Blick, Kreativität und Durchhaltevermögen benötigen all jene, die dem Mainstream den Rücken kehren.
Und wenn wir wollen, dass das so bleibt, dass queere, feministische, alternative „Pornos“ auf dem Markt verfügbar sind, dann sollten wir diese kleinen, vielleicht ersten zaghaften Versuche unterstützen und würdigen. Porno kann durchaus „anders“ sein, auch wenn es Anstrengungen derer bedeutet, die die Filme produzieren und derer, die ihre Sehgewohnheiten umstellen müssen.
Noch mehr interessantes rund ums Thema Porno bot eine Diskussion während des Gender Happenings.
Freitag, 31. Juli 2009
Love Me Gender – Gender is Happening – das war´s?
Wirklich zu Ende?....
Love me Gender – Gender is Happening war eine aufregende, erlebnisreiche und spannende Woche voller Diskussionen, Debatten und Begegnungen.
In vielfältigen Formen und Variationen wurde Gender nicht nur per Paneldebatten, Vorträgen und Gesprächsrunden akademisch diskutiert und analysiert, sondern queer-feministische Lebensweisen und Ideen, geschlechterdemokratische Vorstellungen, männerpolitische Ansätze wurden in ihren unterschiedlichen Ausgestaltungen und Widersprüchlichkeiten z.B. satirisch unter die Lupe genommen, in Kreativ-und Praxis-Workshops performt oder weiter entwickelt, z.B. beim Radiomachen, Plattenauflegen, im Web 2.0 und per Blog-Reportagen oder beim Radical Cheerleading. Was heißt Drag, was meint queer, bleibt der Feminismus auf der Strecke? Fragen, die auch nach dieser Woche stehenbleiben. Fragen, die das Gunda-Werner-Institut weiter diskutieren und ausloten möchte.
Das Gender Happening war ein Experiment für alle Beteiligten. Kommt das vielfältige Programm mit über 80 Einzelveranstaltungen, Ausstellungen, Lesungen Filme etc. überhaupt an? Schaffen wir es, einen Spannungsbogen eine Woche lang zu halten? Ist das organisatorisch überhaupt zu packen?
Ja! Über 1200 Besucher_innen haben zumindest jeweils zeitweise am Gender Happening teilgenommen. Viele junge und neue Gesichter waren zu sehen. Wir haben einiges an Debatten und Performances provoziert und angestoßen, verinzelt fanden wir sie nicht ganz gelungen, z.B. stellte sich als heikles Thema heraus: was kann Satire in diesem Feld leisten? Und wo sind Grenzen? Wir werden es weiter debattieren
Alle haben die Heinrich-Böll-Stiftung und unser neues Haus von einer bisher unbekannten Seite kennengelernt, gefüllt mit Leben und neuen, teilweise experimentellen Veranstaltungsformen. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt auch die "Fahrende Gerüchte Küche" auf der Terrasse als Treffpunkt in der gesamten Woche. Das Haus lebendig gemacht und für eine Woche visuell verändert, haben auch die vielfältigen Raum-Installationen und die kreative Gestaltung des Hauses – und natürlich: das Publikum, das den Raum in Beschlag genommen hat.
….Love me Gender – Gender is Happening – ist nicht vorbei, denn Gender begleitet, bestimmt und vor allem erfreut uns – hoffentlich - jeden Tag aufs Neue.
Und nun geht es für uns ans Auswerten und Aufarbeiten – nach einer Atem- und Sommerpause!
Vielen Dank an alle, die zum Gelingen beigetragen haben: Durch Kooperationen, in der Organisation und Öffentlichkeitsarbeit und an alle die, die dabei waren und mit gemacht haben!
Bilder aus der gesamten Veranstaltungswoche unter www.gwi-boell.de
Für das GWI-Team Gitti Hentschel, Henning von Bargen und Susanne Diehr
Donnerstag, 30. Juli 2009
Gender is Happening geht auf Sendung
Am Samstag, den 1.8.2009 (Wdh. am 15.8.2009), von 15-16 Uhr auf den Frequenzen des OKB: UKw 97,2; Berliner Kabel 92,6 oder Internet www.alex-berlin.de geht die nächste Sendung vom Transgenderradio auf Sendung.
Inhaltlich geht´s rund um die Woche "Gender is happening". Die Sendung ist auf dem Workshop und durch Workshopteilnehmer_innen entstanden und informiert euch über vieles Wissenswertes, was in der Woche passiert ist.
Mittwoch, 15. Juli 2009
Finanz- und Wirtschaftskrise und global keine Abwesenheit von Krieg – Was hat „Gender“ damit zu tun?
Dienstag 7.7.2009 19:30 Großer Saal 1
Dr. rer. pol. Christa Wichterich, Soziologin, Publizistin, "Wide", Bonn
Dr. phil. Alexandra Scheele, Universität Potsdam
Deborah Ruggieri, attac, Frankfurt, Österreich
Mod: Barbara Unmüßig, Vorstand Heinrich Böll Stiftung
Mittwoch 8.7.09 16:30 Konferenzraum: UN-Resolution 1820 – Sex und Gewalt im Kriegskontext
Irmingard Schewe Gerigk – MdB, Bündnis 90/ Die Grünen
Cordula Reimann, Swiss Peace Dr. Rolf Pohl, Uni Hannover
Mod: Ute Scheub
Wie kehrt sich das Innere der Systemkrise nach außen?
Frau war sich einig: die eigentlichen Chancen einer Krise – ein an die Wurzeln gehender Umbau - werden aktuell vertan. Eine wirkliche, also re_produktive Strukturreform, welche nämlich grenzenlose (Natur-) Ausbeutung und schreiende Ungerechtigkeit, womöglich auch kriegerische Auseinandersetzungen um Ressourcen unterbinden könnte, gibt es von_oben nicht. Wie derweil Graswurzeln gegen die Abwrackprämien - ´Konjunkturpakete längs des Wachstumsdogmas´ (Alexandra Scheele) stark werden könnten, dazu gab es einige Tipps – nicht zuletzt: „Frauen, denkt ökonomisch!“ (Nancy Fraser zitiert von Deborah Ruggieri).
Das ganze Haus wie haushalten?
Während sich die Natur in Überschwemmungen und Wind- und Wetterkatastrophen äußert, ackern die Humanen weltweit an gegen „die schon lange währende, chronische Krise des Überlebens" (Christa Wichterich). Jeden Tag verhungern dabei weltweit 24.000 Menschen, davon 10.000 Kinder. Oder sie werden zur Abwendung von Armut in erzwungene Sexarbeit verkauft.
In Deutschland scheint der Aufschrei von_unten eingebettet: der Abbau der Geldautonomievermittlung in der "Ernährerrolle" für die große Mehrzahl von Männern und der Zuwachs der flexiblen, un- oder schlecht bezahlten re_produktiven Mehrarbeit vor allem von Frauen verschränken sich so, dass steuerliches Ehegatten s p l i t t i n g (Scheele) im Niedergang der Heirats- und Geburtenrate f a k t i s c h wird (und es entlarvt sich so als negativ für´s gender).
A global sex-, marriage- and labour m a r k e t schafft dabei - global entfesselt - im Grunde keine Abhilfe in solchem gender gap of re_production; grausam und bleibend skandalös ist, dass die ursprüngliche Akkumulation mit „trafficking in wo_men“ einsetzte (zum Zusammenhang s. auch Brigitte Young u.a., Saskia Sassen und Working on It).
Bleibt es auch fortgesetzt archaisch?
In sinnlicher Vision (Ruggieri) ließe sich Gattung – jeweils vor Ort – befriedigter und geschlechterdemokratisch verbünden, wenn jeder_r täglich 4 Stunden Erwerbszeit und 4 Stunden für „Sozialarbeit an sich selbst“ hätte – diese Idee zur Arbeitszeitverkürzung von Frigga Haug ließe nicht zuletzt die verunsicherte männliche Erwerbsrolle in einer neuen Form der Verantwortungsübernahme um Kind_er sinnen_voll er_füllen. Statt in der turbulenten Akkumulationslogik zu oft Schrott produzieren oder verspekulieren zu müssen, könnte man im Nahbereich plus (virtuellem) Networking, endlich engendered dem gynozentrischen Leben Raum geben: nämlich achtsam mit den vorhandenen Elementen umgehen, statt Elementarteilchen ab_ziehen.
Vielleicht könnte Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC) als Nutz_g_nießer von Solarstrom aus der nordamerikanischen Wüste ein Prototyp sein; doch nur dann zu Recht, wenn auf „halben Stellen“ black women „drin“ und die afrikanischen Völker mit Strom versorgt wären_zugleich!
Auf diesem Kontinent kommen derweil zwei andere Agenden zusammen: Es ist der ersten weiblichen Präsidentin in Liberia noch nicht möglich, die sexuelle Gewalt an Frauen im Gefolge des Bürgerkrieges einzudämmen (Cordula Reimann). Zugleich zeitigt in Namibia ein bedingungsloses, individuelles Grundeinkommen positive Erfolge im Gemeinwesen. Dies lässt mich zum Zusammenhang von Gewalt und geldwerter Anerkennung von der Einzelseele kommen: „Welche Ansätze und ´Wege zur sozialverträglichen Eindämmung der menschlichen Aggressivität´ gibt es?“
Was bedeutet es denn, wenn Menschen deshalb in den Krieg ziehen, weil sie finanziell sonst kein Überleben sichern können? Was bedeutet es, wenn sich das deutsche Militär durch das neu-deutsche Ehrenkreuz reformieren will - damit zugleich das programmierte Sterben? Ergäben sich aus einer allgemeinen Option für individuelles, bedingungsloses Grundeinkommen nicht tiefer gehende Chancen, von vornherein auch männliche Gewalterfahrungen, wie sie aus den und um die Bastionen der Männlichkeitsformierung bekannt werden (Ute Scheub), zu unterbinden? Selbst-„Unterdrückung verlernen“ bedeutet dabei nach Anne Bishop u.a. das Erlernen einer Dialogfähigkeit, die unterscheidet zwischen Schuld und Verantwortung, die Verletzbarkeit als Lebendigkeit zulässt, dabei aber nicht das Gegenüber mit dem eigenen Unglück verhaftet, um Herr zu bleiben (s.)
Ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen sexualisierte Gewalt als Kriegsmittel bleibt die UN-Resolution 1820, die am 19.06.2008 verabschiedet wurde und sexualisierte Gewalt als Kriegsverbrechen brandmarkt. Auch wenn frau zwischen der UNO - als supranationalem Garanten von Menschenrechten - und der Umsetzung ihrer Dokumente in nationalen Politiken den Prozess der „Politikverdunstung“ erlebt (Wichterich; Hintergründe auch) : unten mag oben sein! Oben ist unten.
Allein Erziehende werden ohne dieses Allgemeingut weiter „am Rande des Nervenzusammenbruchs“ die „soziale Airback-Funktion von Frauen“ austragen (Wichterich). Sie sind dabei, ähnlich wie die senioren Erziehungs-Hausfrauen der alten Bundesrepublik mit nur geringer sozialer Sicherung, spätestens beim splitting gegen die Krise völlig ungewappnet (Ruggieri).
Die Care-Economy – beziehungsweise insgesamt das „Segment personennaher Dienstleistungen, Alten_Pflege und Kultur“ - zu stärken, würde in der „Trias Politik/ Sozialstaat_Familie_Wirtschaft“ (Scheele) global nachhaltiger wirken als der Verhau von Geldern im alten Industrie-Segment - ohne die Auflage, nur noch 3-Liter-Autos zu bauen. Hat nun die Absage an Arcandor/ Karstadt als zu_früh_Kriselnde auch etwas mit gender zu tun?
to dos / apple : Alexandra Scheele • Frage: Wie und worauf konzentriert sich verbünden? Christa Wichterich • Das Casino schließen": keine Spekulation mit Lebensmitteln und sozialer Sicherung d.h. Gesund-Schrumpfung des Systems Finanzmarkt • "Kapitalismus in den Köpfen knacken", dazu WERT_E_D: Welche Art Wohlstand wollen wir? • Wirtschaftsdemokratisches Einschalten in die Bürger-Haushalte Deborah Ruggieri (attack) • Gender-taxing und –budgeting, also Transparenz über die Betroffenheit und Involviertheit der Geschlechter in - Kapitalflüsse - Besteuerung - „Fleischtöpfe zur Arbeitsplatzsicherung" • Vorbereitung auf die (Nach-Wahlkampf)-Verhandlung: Wer kommt steuerlich wie auf bei der staatlichen Krisenregulierung? • Kapitaltransfersteuer (Tobin) und Vermögensbesteuerung • Verschluss von Steueroasen, die nicht zuletzt Gelder aus Waffen- und Frauenhandel schmutzig bleiben lassen.
Montag, 13. Juli 2009
Susanne Haslinger, Blogreporterin
Geschlechtergerecht können wir unsere Gesellschaft dann nennen, wenn sich verschiedengeschlechtliche Identitäten den gleichen Dingen zuwenden können, ohne sich erklären zu müssen, ohne Nachteile befürchten zu müssen.
www.gender-design.com
"Susanne Haslinger, Blogreporterin" vollständig lesen »
Samstag, 11. Juli 2009
Willkommen in der Nische
Die Medienmacherinnen auf dem Podium haben sich bewusst für einen anderen Weg entschieden. Mit ihren (Frauen-)Magazinen möchten sie sich vom Mainstream abgrenzen und drängen sich somit selbst in eine Nische, die mit unendlich vielen Klischees beladen ist und die die Produktion dieser alternativen Magazine nicht unbedingt erleichtern.
Das größte Problem stellt dabei wohl die Finanzierung dar. Sowohl Gudrun Fertig (Online-Chefredakteurin des L.mag) als auch Chris Köver (Mitbegründerin des Missy-Magazine) sehen sich mit der Problematik konfrontiert, dass klassische Marken in Magazinen mit einer nicht rein heterosexuellen Ausrichtung keine Werbung platzieren möchten. Gleichzeitig ist auch nicht jede Werbung erwünscht. Sharon Adler von AVIVA-Berlin hat auch schon Werbekund_innen abgelehnt, die nicht in das Konzept ihres Online-Magazins passten. Sineb El Masrar sieht sich mit dem von ihr gegründeten Magazin Gazelle einer anderen Problematik gegenüber: Migrantinnen leben in der Vorstellung von Marketingverantwortlichen in Frauenhäusern, sprechen nur gebrochen Deutsch und verfügen nicht über das nötige Einkommen, um sich ein "Luxusprodukt" wie das Hochglanzmagazin Gazelle leisten zu können. Dass die Realität durchaus anders aussieht, zeigt die mittlerweile fünfte Ausgabe, die Sineb El Masrar mit ihrem 20-köpfigen Team kürzlich produzierte.
Konsens herrschte im weitesten Sinne auch bei der Frage nach der Aufmachung. Die Diskutantinnen zeigten sich gelangweilt vom Cover-Einerlei, das auf dem Markt herrscht: DAS Cover-Girl der Stunde ist blond und maximal 18 Jahre alt - unerheblich, welche Zielgruppe das jeweilige Magazin eigentlich verfolgt. Eine ansprechende Cover-Gestaltung ist jedoch auch für die Macherinnen von Nischen-Magazinen notwendig, denn im Laden wird nur das gekauft, was sofort anspricht. Hochwertige Titelbilder sind daher unerlässlich - das Missy-Magazine verzichtet jedoch auf aufwändige Retuschen und zeigt auf ihrem aktuellen Titel die "schmerzbefreite" Künstlerin Peaches, der man ihre 40 Jahre trotz angeblicher Falten nicht unbedingt ansieht. Auch die Gazelle titelt ungewöhnlich - unverständlich angesichts des ansprechenden Covers, welches eine Dunkelhäutige zeigt. Doch rothaarige oder eben dunkelhäutige Models gelten als Verkaufsgift. Das L.Mag bleibt sich seiner Linie treu: Auf den Titel kommen jene Frauen, die sich um die Szene verdient gemacht haben und/oder prominente Lesben sind. Kein Wunder also, dass das aktuelle Cover Beth Ditto, neue Stilikone und Sängerin der aufstrebenden Band The Gossip, zeigt.
Grundsätzlich herrschte auf dem Podium eine selige Einigkeit. Trotz der Vielfältigkeit der vorgestellten Projekte zeigt sich, dass Frauenmagazine abseits des Mainstreams alle mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Es ist bewundernswert, dass die Macherinnen dennoch allen Widrigkeiten trotzen - und das mitunter schon seit Jahren.
Freitag, 10. Juli 2009
Gender - ein feministischer Blick
Es gab vor allem Kritik bezogen auf die Zu-Ordnung in "Schubladen" - männlich ODER weiblich. Zudem, dass es gälte, dieses zu verändern. Auch konkrete Vorschläge waren zu hören, an welchen Stellen welche Änderungen sinnvoll oder not-wendig wären. Demnach bedeutet Gender, dass offenbar vor allem anderen den derzeit für die Mehrheit gültigen "Schubläden" ihre Gültigkeit entzogen werden sollte - lieber heute als morgen.
Dies entspricht ja auch durchaus dem, was sich z.B. sowohl im gender@wiki als auch bei Wikipedia zum Begriff Gender findet.
Für Einige wäre es sicher angemessen, keiner "Kennzeichnungspflicht" nachkommen zu müssen. Vielleicht lohnt es auch für Alle, solche "Kennzeichnungen" zu hinterfragen. Es ist auch sicher sinnvoll, in Zeiten der (Finanz-)Krise Bündnisse über bestehende Gräben einer Geschlechterzuordnung hinweg zu schließen - um der besseren ZUSAMMENarbeit willen. Mit vereinten Kräften lässt sich sicher mehr erreichen.
Aber: Ist es im Sinne einer feministischen Weltanschauung, vor allem Einigkeit darüber zu erzielen, besagte Schubladen abzuschaffen?
Während des Formulierens komme ich zu dem Schluss, dass Gender wahrscheinlich tatsächlich "mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern" zum Ziel hat - während "die" Feminist_innen die vorhandene Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geändert sehen wollen.
Donnerstag, 9. Juli 2009
feministisch auf die Eins
Wer bisher noch nie hinter den Drehern gestanden hatte, war schnell dabei - Mart Busche fing tatsächlich "in the beginning" an und erläuterte den grundlegenden Aufbau von Plattenspielern, CD-Mixern, Mischpulten und ihr Zusammenwirken. Dann ging es an die Praxis: Vom Radiofade, also dem "einfachen" Übergang von zwei Stücken, bis zum Beatmatching, dem Aufeinanderlegen der unterschiedlichen Beats, aus dem schließlich ein Mix entsteht, konnten die Teilnehmerinnen die Techniken live ausprobieren. Als special guest war 'Lindas Tante' dabei, die in die Kunst des Scratchens einführte. Am Ende blieb genügend Raum für alle, Mixversuche an ihren eigenen Platten zu machen - Mart Busche ließ sich dabei gern auf alle Stile ein und gab kreative Impulse.
Ein anderer wichtiger Impuls stand gleich am Anfang und war auch ein roter Faden: Nämlich der, das Auflegen auch als eine mögliche queer-feministische Praxis zu begreifen. Die Geschichte der turntable-Kunst ist definitiv eine männliche - God is not a DJ_ane! Grund genug, sich hinter die Decks zu wagen - und auch die Position als eine politische wahrzunehmen. Denn hier entscheidest DU, was laut über die Boxen geht!
Queer up the Word
[rhythmisch und laut zu lesen]
Dienstagabend Poetry Slam.
Man.
MAM!
Es war kein Slam nein kein Turnier
Nur open stage für Alle hier.
NUR?
NUR open stage?
Ein Feuerwerk!
Mit Hakenberg (Sarah für Unbeleckte)
Mit KaCoSónia – als-ich-ein-Kind-war-
Mit Katinka I’m-fucking-big-on-stage Kraft
Paula Varjack aus London, Sean Kennedy, NY
NY, und why not
Tom vom Mars
Sonst ist er im Ackerkeller)
Christina „Lauschgift“ Schneider, zu emanzipierten Haaren.
Anti g.one rappt über Watte
Mit KNIE-kehlenlanger Matte
Silke Galler hatte Taschen
Eve McFar kam uns ganz nah…
Herbert Beesten ging. Über Fußgängerbrücken.
Jetzt aber zu den wahren Stücken –
Den queeren Workshop-Weltpremieren
Der Slam-Debütantinnen Debut-Tanten:
Elisabeth Hager –Eifersucht
Lisa Mänzel! Zu Mut.
Karin Wissel! Zu bonbonverteilenden Brüsten.
Es gab Tränen
Der Begeisterung.
MACHT WEITER! Hier das Stück zum Anhören.
Die Verfasserin ist Slam-Debütantin - aber man soll sich nie für sich entschuldigen, sagten uns Céline und Katinka...
Mittwoch, 8. Juli 2009
"Queer Things are Happening to Pop Culture"
Auf dem Panel saßen hierzu Elahe Haschemi Yekani, Susanne Hochreiter und Svenja Derichs und es moderierte Katrin Köppert. Vor den Vorträgen gab es eine Performance der Spicy Tigers on Speed zu Ruth Wallis Klassiker "Queer Things (are happening to me)". Die Wissenschaft passierte dann im Sitzen und ohne Konfetti, aber ebenfalls aufregend und auflösend. Alle drei Vortragenden machten sich auf anhand unterschiedlicher Materialien auszuloten, was Queer Reading oder anders ausgedrückt, so Svenja Derichs, ein Aufspüren nicht-heteronormativer Konfigurationen sein kann. Die Vorträge waren hierbei so anschaulich und dicht am Material entwickelt, dass ein wirkliches Science in Action Gefühl aufkam. ""Queer Things are Happening to Pop..." vollständig lesen »
"Ich bin frei"... Aber wovon?
Obwohl das umfangreiche und komplexe Werk hinreichend fruchtbaren Boden für einen regen Meinungsaustausch zu bieten versprach, nahm die Diskussion recht schnell einen zähen und umständlichen Lauf. Brav beantworteten die Teilnehmerinnen der Reihe um die vagen Fragen der Moderation. Der Begriff der Freiheit, um den sich das Gerede drehte, blieb dabei undefiniert und schwammig. Auf einzelne interessante Beiträge wurde nicht näher eingegangen, sodass eine lohnende Begegnung, etwa in Form einer Konfrontation, der drei geladenen Frauen gar nicht erst stattfinden konnte.
Deutlich wurde allein, dass unsere individualisierte Gesellschaft und die Vielfalt an möglichen Freiheitsdefinitionen es heute erschweren, einen Konsens für eine neue Feminismusdebatte zu finden. Seit 1949 hat sich insofern einiges verändert, als dass wir globaler denken - Beauvoir beschäftigte sich lediglich mit der Frau der westlichen Ersten Welt - und individueller handeln - die Frauen als Kategorie erscheint uns heute einschränkend und grob verallgemeinernd. Ebenso kommen heute zum binären Geschlechterverständnis Beauvoirs eine Menge anderer möglicher Geschlechtsidentitäten und Sexualorientierungen hinzu, die in einer aktuellen Debatte berücksichtigt werden müssen.
Und so kam es, dass in der gestrigen Zusammenkunft selbst einzelne kraftvolle Aussagen sich im allgemeinen trüben Gedankenbrei verflüssigten und die Chance, neue konkrete Thesen aufzustellen, an denen sich wieder die Geister scheiden können, ungenutzt blieb. Schade.
Als Gedankenanstoß und nachträglicher Versuch, für intellektuelle Reibungen zu sorgen, seien an dieser Stelle dennoch einige der bedeutenden Aussagen aufgeführt. Effi Böhlke beklagte die anhaltende Zurückhaltung der Frau, Verhaltensmuster abzuschütteln und Freiräume aufzubrechen. Sie selbst sei emanzipiert worden, als die Beziehung zu ihrem Mann zerbrach, also aus einem passiven Erlebnis und einer gewissen Notwendigkeit heraus. Ingeborg Gleichauf wies auf ihre eigene finanzielle Abhängigkeit hin, aus der sie sich trotz beruflichem Erfolg nicht befreien könne. Beide Frauen sind Mutter dreier Kinder und stehen den Aussagen Beauvoirs über die Mutterschaft distanziert gegenüber (hier hätte ich gerne mehr erfahren). Meredith Haaf, gab an, dass sich Frauen heutzutage zwar nicht mehr geknechtet fühlten, ihre Aggressionen deswegen jedoch nicht mehr nach Außen, sondern nach Innen richteten und so zum Opfer ihrer eigenen Täterschaft würden (Wem wird damit (nicht) gedient?). Bezeichnend war, dass trotz dieser – so fasse ich sie auf - resignierten Appelle, immer wieder auf die positive Entwicklung der Gesellschaft gepocht wurde, dass schon so viel erreicht worden ist und sich ja schon irgendwie frei fühle. Ist eine Bewegung zum Stillstand gekommen?
Glücklicher Weise meldete sich rechtzeitig Gitti Hentschel aus dem Publikum zu Wort. Ob denn, anstatt abzuwarten, dass der Staat (der Mann?) sich zu Gunsten der Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzt, nicht die Frauen zuerst daran arbeiten sollten, die Fesseln ihrer eigenen Sozialisation abzuschütteln? Das setzt immerhin ein Bewusstsein über die aktuelle Lage (von einem selbst) voraus. Die tagtägliche und Stückchenweise Eroberung von selbst bestimmten Handlungsräumen ist unsere Aufgabe und die dürfen wir uns nicht abnehmen lassen. Sie beginnt im Privaten und führt ohne Umwege in die Öffentlichkeit.
Am Anfang stand der Auftakt
Und dort waren etwa 100-120 Personen. Deutlich mehr als die Hälfte hob die Hand bei der Frage danach, ob sie sich als Frau definieren würden. Eine ganze Reihe der Anwesenden wollte sich als Mann definiert wissen. Wieder Andere wollten keine der "definierten Kategorien" für sich beanspruchen. Was ganz sicher im Sinne der Veranstalter_innen war.
Natürlich ist so eine offizielle Eröffnung immer auch sehr zeitbegrenzt - hier standen 30 min. zur Verfügung. Es gab einen Film (für die, die ihn verpasst haben - gibt´s auch hier auf der Site - oben rechts). Und besagte Fragen. Und die Frage an "die vom Podium" was sie mit der größten Spannung erwarten würden.
Ich habe mich mit Spannung angemeldet. Ich wollte gern VIELEN begegnen, die sich mit dem Thema Gender befassen, befassen wollen, befasst haben. Es ist ganz sicher so, dass VIELE dort sind. Und doch scheine ich eines nicht bedacht zu haben - die meisten kommen offenbar aus dem Gender-Umfeld - haben studiert oder sind am Studieren. Reden in "ihrer" Fachsprache. Sind offen und freundlich - kein Zweifel. Und hängen dennoch immer wieder die ab, die sich weniger auskennen. ICH finde das schade.
Ich werde dennoch weiter schauen, was es an Aktionen, Re-Aktionen und Veranstaltungen gibt. Die Auswahl ist GROSS - es sind ganz sicher "Perlen für alle" dabei. SIE gilt es zu entdecken. Auch auf diesem Blog. Aber ganz sicher "life und vor Ort". Beides hat ihren/seinen Platz. Abwarten, welchen sie in meiner persönlichen Sicht belegen. Noch ist nicht aller (Veranstaltungs-)Tage Abend.


