von Marie Friese
Die Macht der Medien
Im zweiten Teil der Tagung, konnte sich zwischen drei verschiedenen Workshops entschieden werden: „Beitrag der Politik zur Subversion“, „(Selbst-) Inszenierungen im Netz“ und „Beitrag der Medien zur Subversion“. Tom Schimmeck, Journalist und Mitbegründer der taz, und Chris Köver, Redakteurin und Herausgeberin des Missy Magazines, sollten im letzteren Workshop also darüber diskutieren, wie die Medien die Darstellung der Geschlechter verändern und (mit)bestimmen.
Tom Schimmeck stellte uns ausführlich sein Buch „Am besten nichts Neues“ vor und versuchte deutlich zu machen, wie viel Macht die Medien über Geschlechterbilder haben. Am Beispiel vom Fall der Politikerin Andrea Ypsilanti wurde verdeutlicht, wie es Medien gelingt eine einzige Frau zu demontieren, ihr die Glaubwürdigkeit abzusprechen und eine politische Karriere zu verhindern. Die aktuell geforderte Frauenquote in Führungspositionen hätte an diesem niederschmetterndem Medienecho gegen Ypsilanti nichts geändert, so scheint der allgemeine Konsens der Diskussion. Denn auch Journalistinnen waren zu genüge an der Demontage Ypsilantis beteiligt.
Leider zog sich der Fall Ypsilanti durch den ganzen Workshop, sowie die anschließende Abschlussdiskussion und fing an zu viel Raum einzunehmen, weswegen dann andere Aspekte zu kurz kamen. Wie zum Beispiel die Frage danach, wie Medien unterstützt werden könnten gegen Mainstream-Meinungen zu halten und neue Geschlechterbilder zu konstruieren. Oder wie Frauen in den Medien mehr für ihre Taten als für ihr Aussehen bewertet werden können. Es fehlte schlichtweg der Ausblick in die Zukunft und Anregungen für ein Handeln im hier und jetzt.
Vorbilder schaffen mit Missy Magazine
Umso erfrischender war der Vortrag von Chris Köver, die es schaffte mit der Vorstellung ihres Missy Magazines einen Weg aufzuzeigen, wie Medien beeinflusst und verändert werden können: mensch gründet einfach selber ein neue Zeitschrift und ändert in dieser alles, was einem in den bis jetzt vorhandenen Medien stört.
2008 gründete Chris Köver, zusammen mit Stefanie Lohaus und Sonja Eismann das Missy Magazine. Sie waren genervt von der Magazinlandschaft in Deutschland und mit Hilfe einer Förderung gelang es ihnen diese fixe Idee bald in die Realität umzusetzen. Sie wollten ein feministisches Magazin, welches sich aber auch Themen der Mode und Musik widmet, gleichzeitig aber auch politische Themen aufgreift. Abgebildete Frauen im Missy Magazine bezeichnen sich nicht per se als Feministinnen, können aber als Vorbildfunktion für andere Mädchen und Frauen herhalten, weil sie etwas machen, was „cool und spannend ist“ und sie gut darin sind. Ferner gibt es in der Zeitschrift auch Beiträge zum Thema Kochen, wie zum Beispiel das Rezept für einen“ DJ-Set Kuchen“.
Doch auch an diesem Punkt bleibt für mich die Frage bestehen, was ich selbst tun kann, um Medien in eine geschlechtersensible Richtung zu verändern, ohne gleich ein eigenes Magazin zu gründen.
Frauen in der Politik
Das Abschlusspanel wurde von Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Humboldt-Viadrina-School of Governance, Marion Knaths, Leiterin von sheboss und Ines Pohl, Chefredakteurin der taz, bestritten. Claudia Neusüß, Gastprofessorin an der TU Berlin und Mitarbeiterin bei compassorange, moderierte die Diskussion. Leider glich diese einem Austauschforum zum Thema „Wie kommt Frau in die Politik“. Prof. Dr. Gesine Schwan reflektierte ausgiebig den Verlauf ihrer Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin 2004 und 2009. Sie zeigte auf, wie schwierig es für sie war in dieser Zeit als ernsthafte Kandidatin anerkannt zu werden und in Artikeln nicht nur auf ihr Äußeres, wie ihre „Vogelnestfrisur“, beschränkt zu werden. Der Umgang der Medienmacher_innen mit Angela Merkel kam ebenfalls nicht zu kurz. Sie wurde als Politikerin beschrieben, die es inzwischen wohl teilweise geschafft hat, in den Medien für ihre Politik bewertet zu werden und weniger für ihre äußere Erscheinung.
Frauen, die weder in der Politik eine Rolle spielen, Journalistinnen sind oder Führungspositionen inne haben, bekamen kaum Raum an diesem Abend. Auch die Rolle von Männern in den Medien wurde auf die Politiker Helmut Schmidt und Joachim Gauck beschränkt. Die (fehlende) Darstellung von Menschen, die sich nicht in die Logik der Zweigeschlechtlichkeit einordnen lassen (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) wurde thematisch nicht angeschnitten. Oder wäre diese Tagung nicht auch eine gute Gelegenheit gewesen, um das relativ flach ausgefallene Medienecho über die Stellungnahme des Ethikrates über Intersexuelle zu beleuchten?
Frauen als Medienmacherinnen
Dafür wurde die aktuelle Debatte über die Frauenquote für Journalistinnen in Führungspositionen aufgegriffen. Es wird eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent in Spitzenpositionen von Redaktionen gefordert. Hierbei wird deutlich: Es ist längst überfällig geworden, dass Frauen sich unter die Männerdomäne der Chefredakteure mischen. Aber auch: Eine differenzierte und geschlechtersensible Berichterstattung wird es nicht per se dadurch geben, dass Frauen Medien machen. Als Beispiel kann hier wieder der Fall von Ypsilanti herangezogen werden.
Was Menschen brauchen, um einen geschlechtersensiblen Journalismus betreiben zu können, wäre hier eine gut Frage zur Vertiefung gewesen. Anstelle dieses Aspektes bekommen die Teilnehmenden der Tagung noch einen kleinen Crash-Kurs zum Thema die „Haltung der erfolgreichen Frau“. Wir machen eine Körperübung, setzen uns an den Stuhlrand und versuchen Haltung anzunehmen. Dies soll nicht nur gegen Aufregung wirken, sondern auch Männer überzeugen. Kurz danach folgt zum Glück die Kritik aus dem Publikum: „Warum lernen wir gerade hier, uns an männliche Haltungsnormen anzupassen?“
To be continued
Die Tagung vermittelte einen vielfältigen Einblick in verschiedene Themenkomplexe die Medien und Gender berühren. Es wurde deutlich, wie machtvoll Medien sind, uns im Alltag prägen und das politische Geschehen beeinflussen können. Gender matters! Doch die Chanceüber Ideen zu reden, wie wir unsere Medien gerne haben würden und wie wir zu diesem Ziel gelangen können, wurde vertan. Medien werden von Menschen gestaltet, unterliegen also auch der Möglichkeit des Wandels. Ebenfalls ging ich an diesem Tag mit der Frage hinaus, welche Konsequenzen die Erkenntnisse für mich als nicht Medienschaffende haben sollten. Wo sind meine Handlungsoptionen und Verantwortungen, welche Rolle spiele ich in der medialen Macht?
Diese Fragen werden auf der Folgeveranstaltung, die es voraussichtlich geben wird, hoffentlich berücksichtigt werden. Genauso wie das nächste Mal auch ein intersektionaler Blick Beachtung finden muss.
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Gender matters - yes indeed! (Teil 2)
Geschrieben von Gunda-Werner-Institut
um
16:27
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Tags für diesen Artikel: chancengleichheit, diskussionen, frauen, gender, gleichberechtigung, heteronormativität, identität, journalismus, medien, männer, politik, publikationen, sprache, vorträge, workshops
Gender Matters- yes indeed!
Ein Bericht von Marie Friese zur Tagung am 16.03.2012, der Friedrich- Ebert- Stiftung :
„Gender Matters! Die Macht medialer Geschlechterbilder“
Am Freitag den 16.03. lud die Friedrich-Ebert Stiftung zu einer Tagung mit dem vielversprechenden Titel “Gender Matters! Die Macht medialer Geschlechterbilder“ ein. Schon die Angebote an verschiedenen Workshops, die zwischen dem Einführungsvortrag und der Abschlussdiskussion angeboten wurden, machten Lust auf einen Tagesausflug in die Welt der Medien – natürlich stets mit Genderbrille im Gepäck.
Diesen Gedanken teilten an diesem Tage viele Menschen, die trotz schönstem Frühlingswetter zahlreich in der Friedrich-Ebert-Stiftung eintrafen. „ Im Rahmen der Tagung möchten wir der Frage nachgehen, […], wo also das Potenzial für Veränderung und für alternative Entwürfe von Geschlechterbildern liegt“, so lautet ein Auszug des Einladungstextes der Tagung, die in Medienpartnerschaft/Kooperation mit dem Missy Magazine durchgeführt wurde.
Her mit den Alternativen!
Den Einstieg machte an diesem Tag Prof. Dr. Margreth Lüneborg, Professorin an der Freien Universität Berlin im Bereich Journalistik, die sich in den letzten Jahren u.a. in dem Projekt „Spitzenfrauen im Fokus der Medien“ beteiligte. In ihrem Vortrag über „Konstanz und Wandel von Frauen- und Männerbildern“ war der Fokus allgemeiner gefasst und konzentrierte sich auf Medien und ihre Rolle als Bühne für Geschlechterinszenierungen.
Medien liefern Geschlechterrollenskripte, zeigen den Betrachter_innen, was Mannsein und Frausein ausmacht, erläutert Prof. Dr. Lüneborg. Die dadurch produzierten Geschlechterbilder können als Identifikationsangebote gesehen werden, welche ebenfalls auf geschlechtergebundende Zuschreibungen, die außerhalb der Medienwelten existieren, zurückgreifen. Damit hebt Lüneborg hervor, dass Medien nicht ungebunden von ihrer Außenwelt agieren (können). Doch auch wenn sich mediale Geschlechterbilder an „realen“ Geschlechterbildern orientieren, so bedingen sie sich gegenseitig. Deswegen müssen sich auch Medien ihrer Macht und damit einhergehend ihrer Verantwortung von transportierten Geschlechterbildern bewusst werden. Prof. Dr. Lüneborg fordert: Ein medialer Wandel stünde an, der vielfältige Identifikationsangebote schafft. Ein Wandel, der Bilder und Rollen abbildet, die über die binäre Vorstellung von „der Mann“ und „die Frau“ hinausreichen.
Mit Vorsicht zu genießen
Wenn die Hälfte junger Mädchen heutzutage aber „Topmodel“ als ihren Berufswunsch angeben, so ist dies ein klares Zeichen dafür, dass es an alternativen Identifikationsangeboten fehlt. Sendungen wie „Germanys next Topmodel“ reproduzieren weibliche Geschlechtersterotype, die sicherlich ein Teil heutiger Realität von gelebten Geschlechtervorstellungen darstellt, denen es jedoch an einem Gegenpol fehlt, um diese Geschlechterbilder zu relativieren und abzuschwächen. Und so werden die Medien und Medienmacher_innen ohne alternative Vorbilder weiterhin stereotype Darstellungen als erstrebenswerte Ideale von Männern und Frauen aussehen lassen.
Nach dem Einführungsworkshop konnte mensch sich zwischen zwei Workshops mit den Themen „Darstellung in der Journalistischen Berichtserstattung“ und „Inszenierung von Geschlecht im Unterhaltungs-TV“ entscheiden. Ich wählte letzteren Workshop und war gespannt, auf neue Serien und Filme, die es nicht nur schaffen zu unterhalten, sondern auf Geschlechtersterotype verzichten. ob es bereits einzelne Fernsehserien und Filme gibt, denen es gelingt außer zu unterhalten auch Wert darauf zu legen auf Geschlechtersteroytpe zu verzichten und Klischees über Geschlechter aufzubrechen. Bis jetzt waren mir jedenfalls keine derartigen Produktionen bekannt, die das Unterhaltungs-Fernsehen nutzten, um dem_der Zuschauer_in das Undoing Gender näher zu bringen.
Doing Science-Fiction – Doing Gender
Im ersten Input entführte uns Dr. Nadja Sennewald, Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin, auf die Reise in die Welt der Science-Fiction. In ihrem Beitrag „Alien Gender - Die Inszenierung von Geschlecht in Science-Fiction-Serien“ tauchten wir in die Welt von Startrek Voyager (1987-2005) ein, ein Ausschnitt einer der sechs Science-Fiction-Serien, die Sennewald in ihrer Studie untersucht hat. „Offensichtlich fiktive Serien“ laden doch eigentlich zu spielerischen, neuen Geschlechterrollen ein, so lautet die Ausgangsüberlegung. Die Frage, ob stereotype Darstellung in Startrek Voyager gebrochen wird und eine Darstellung jenseits der Dichotomie der Geschlechter stattfindet, beantwortet uns exemplarisch die Figur von Captain Kathryn Janeway. Dieser gelingt es zwar als Captain ein Raumschiff zu leiten, unterscheidet sich aber bei näherem Hinsehen maßgeblich von ihren männlichen Kollegen in „Leitungspositionen“. So verkörpert Janeway eine Rolle, die stets instabil und unberechenbar ist. Von ihr verschuldete, außer Kontrolle geratenen Situationen werden von männlichen Personen richtig gestellt und gerettet. Frau Dr. Sennewald bringt es auf den Punkt: Frauen können die narrative Ordnung nicht herstellten, da sie selbst die Unordnung und das Chaos verkörpern.
Dass in Startrek Voyager jede Chance vertan wurde, Klischees über die Frau aufzubrechen wird auch deutlich, wenn erzählt wird, dass Captain Kathryn Janeway sich regelmäßig in andere Zeiträume beamen lässt und dort ihre romantische Seite als „Frau“ ausleben kann.
Action Girls: am Ende doch „nur Frauen“?
Doch es gibt sie, die „neuen Weiblichkeitsbilder“ in Science-Fiction-Serien und Kinofilmen. Sie werden „Action Girls“ genannt und zeichnen sich durch ein „hohes Aggressionspotenzial“ und „technische Affinität“ aus. Dennoch sind diese „Action Girls“, wie z.B. Lara Croft, nur in Teilbereichen gut und haben meistens „Co-Helfer“, die ihnen zur Seite stehen. Die Bereitschaftdieser Frauen Gewalt anzuwenden muss natürlich gerechtfertigt werden und so wird eine kriminelle Jugend und eine schwierige, nicht „typisch weibliche“ Vergangenheit zum Sündenbock für das eher „untypische“ Verhalten der Action-Frauen gemacht. Szenen, in denen ein „Action Girl“ erfolgreich aus einem Kampf herausgeht, sind auch vielfach zu sehen. Diese „weibliche Überlegenheit“ wird wiederum vielfach dadurch relativiert, dass die Frau am Ende nicht allein als Siegerin stehen bleibt, sondern erschöpft in die Arme eines Mannes fällt.
Das Fazit des Beitrages fällt ernüchternd aus: So gibt es zwar vermehrt Frauen in handlungstragenden Rollen, diese werden dann aber dargestellt, als wären sie in ihren Machtpositionen immer wieder auf die Hilfe der Männer angewiesen. Und obwohl es durchaus neue Rollenbilder gibt und Frauen nicht nur die Opferrollen zugeteilt bekommen, ist es Science-Fiction-Serien nicht gelungen, Rollenbilder zu schaffen, welche die binäre Logik von Mann und Frau verlassen.
Wissenschaft im Film: eine männliche Domäne?
Im nächsten Input verschaffte uns Prof. Dr. Flicker, Soziologin an der Universität Wien, einen Überblick über „die Geschlechterritualisierung von Wissenschaft im Mainstream-Spielfilm: 1930 bis heute“. Sie erläutert, dass die Filmanalyse auch einen Teil Gesellschaftsanalyse darstellt. Bilder der Geschlechterbesetzung in Berufen, in diesem Fall wissenschaftlichen Arbeitsfeldern, werden für viele aus medialen Bildern konstruiert. Bekommen Kinder die Aufgabe zugeteilt eine_n Wissenschaftler_in zu zeichnen („Draw a scientist“), so malen diese meistens einen Wissenschaftler. Wissenschaftsberufe sind also häufig noch immer männlich konnotiert.
Frau Prof. Dr. Flicker untersuchte mehr als 100 Spielfilme, in denen sie 7 bis 8 Stereotype von Frauen als Wissenschaftlerinnen herausarbeitete. Hier gibt es u.a. die „alte Jungfer“, die sich ganz der Wissenschaft hin gibt und Liebesbeziehungen scheut, also nie Frau und Wissenschaftlerin sein kann oder auch „die Herbe“, die einen Gegenpol zur „Weiblichkeit“ darstellt und gerne als Kettenraucherin abgebildet wird. Auch vorhanden ist „die Gute/Naive“, eine Wissenschaftlerin, welche vor lauter Naivität dann schlussendlich auch wieder von Männern gerettet werden muss. „Die einsame Heldin“ ist eine weitere Kategorie, die z.B. im Film „Contact“ von Jodie Foster dargestellt wird. Hier ist die Frau eine einsame Wissenschaftlerin im männlichen Machtapparat.
Das ein Wandel von Geschlechterrollen in den Medien stattfindet, wird auch daran deutlich, dass die Kategorisierung der Stereotype in den letzten Jahren von Frau Prof. Dr. Flicker erweitert werden mussten, da neue „Frauentypen“ in der Wissenschaft hinzukamen. So gibt es nun auch „die kluge und sexy Kampfmaschine“ und „die Zweiflerin“.
Doch zeigt das Fazit noch viel Nachholbedarf an medialer Veränderung der Geschlechterbilder auf. Es muss möglich sein, dass Wissenschaftlerinnen als Menschen dargestellt werden, die Beruf und Liebe oder Beruf und Familie vereinbaren können. Wissenschaft darf nicht als einziger Lebensmittelpunkt der Frauen inszeniert werden, nur damit eine Erklärung gefunden wird, wie es Frauen in wissenschaftliche Berufe schaffen. Das Bild der Wissenschaftlerinnen muss außerdem über die weiße Hetero-Frau hinausgehen. Frauen kommen zwar in Filmen mit Wissenschaftsthemen vor, ihre Rollen sind aber noch weit davon entfernt als Vorbild zu dienen, wie „Wissenschaft“ und „Frau-Sein“ unter einen Hut passen.
Traditioneller Tatort bricht Geschlechterklischees
Mit dem letzten Vortrag dieses Workshops erfreute uns Frau Dr. Ines Kappert, Leiterin des Ressorts für Meinung und Debatte in der taz. Dieser trug den Titel: „Die Komissarinnen sind da. Die TV-Karriere von Frauen, die viel leisten und zu wenig Spaß haben“. Obwohl in Krimis vermehrt realitätsbezogene Geschichten dargestellt werden und die Polizei ein eher männlich dominierender Bereich ist, ist zurzeit ein weltweiter Kommissarinnen-Boom zu vernehmen, leitete Frau Dr. Ines Kappert ihren Vortrag ein. Am Beispiel der wohl beliebtesten deutschen Krimiserie „Tatort“ wird gezeigt wie Frauen selbstbestimmt und kompetent auftreten können. Frauen können schießen und eigenständig Fälle lösen – erfolgreich und Kommissarin sein, bildet kein Gegensatzpaar mehr.
Aber auch die Tatortkommissarinnen müssen noch etwas dazulernen: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben. Denn hier sieht Kappert das Ende des emanzipatorischen Potenzials. Während die Münsteraner Kommissare Thiel und Börne auch neben ihrem zeitaufwendigen Beruf den unterschiedlichsten Hobbies nachgehen, gelingt es den Tatort-Frauen nicht, ihre Work-Life-Balance herzustellen. Frauen, wie Charlotte Lindholm, die als erfolgreiche Ermittlerin in Niedersachsen Fälle löst, dabei aber ihr Kind und Liebesleben darunter leiden müssen.
Ansonsten mangelt es an Kommissarinnen, die nicht nur erfolgreich sind, sondern auch Fehler begehen und zu diesen stehen. Auch hier wird das Bild der Frau als viel zu „perfekt“ dargestellt. Und sind wir doch ehrlich: wer braucht Vorbilder, die fehlerfrei sind und mögen wir Thiel und Börne nicht gerade deswegen, weil sie Fehler machen dürfen? Conny Mey (Tatort Frankfurt) und Bibi Fellner (Tatort Österreich) sind hier auf dem richtigen Weg, die Fehlerintoleranz zu brechen.
Seit den 70er Jahren flimmern sonntags Tatortkomissar_innen über den Bildschirm. An der Entwicklung der Rollen in dieser Krimiserie wird deutlich, dass durchaus auch alte Formate einem Wandel unterliegen können - und immer noch gerne gesehen werden.
(es folgt Teil 2 ...)
„Gender Matters! Die Macht medialer Geschlechterbilder“
Am Freitag den 16.03. lud die Friedrich-Ebert Stiftung zu einer Tagung mit dem vielversprechenden Titel “Gender Matters! Die Macht medialer Geschlechterbilder“ ein. Schon die Angebote an verschiedenen Workshops, die zwischen dem Einführungsvortrag und der Abschlussdiskussion angeboten wurden, machten Lust auf einen Tagesausflug in die Welt der Medien – natürlich stets mit Genderbrille im Gepäck.
Diesen Gedanken teilten an diesem Tage viele Menschen, die trotz schönstem Frühlingswetter zahlreich in der Friedrich-Ebert-Stiftung eintrafen. „ Im Rahmen der Tagung möchten wir der Frage nachgehen, […], wo also das Potenzial für Veränderung und für alternative Entwürfe von Geschlechterbildern liegt“, so lautet ein Auszug des Einladungstextes der Tagung, die in Medienpartnerschaft/Kooperation mit dem Missy Magazine durchgeführt wurde.
Her mit den Alternativen!
Den Einstieg machte an diesem Tag Prof. Dr. Margreth Lüneborg, Professorin an der Freien Universität Berlin im Bereich Journalistik, die sich in den letzten Jahren u.a. in dem Projekt „Spitzenfrauen im Fokus der Medien“ beteiligte. In ihrem Vortrag über „Konstanz und Wandel von Frauen- und Männerbildern“ war der Fokus allgemeiner gefasst und konzentrierte sich auf Medien und ihre Rolle als Bühne für Geschlechterinszenierungen.
Medien liefern Geschlechterrollenskripte, zeigen den Betrachter_innen, was Mannsein und Frausein ausmacht, erläutert Prof. Dr. Lüneborg. Die dadurch produzierten Geschlechterbilder können als Identifikationsangebote gesehen werden, welche ebenfalls auf geschlechtergebundende Zuschreibungen, die außerhalb der Medienwelten existieren, zurückgreifen. Damit hebt Lüneborg hervor, dass Medien nicht ungebunden von ihrer Außenwelt agieren (können). Doch auch wenn sich mediale Geschlechterbilder an „realen“ Geschlechterbildern orientieren, so bedingen sie sich gegenseitig. Deswegen müssen sich auch Medien ihrer Macht und damit einhergehend ihrer Verantwortung von transportierten Geschlechterbildern bewusst werden. Prof. Dr. Lüneborg fordert: Ein medialer Wandel stünde an, der vielfältige Identifikationsangebote schafft. Ein Wandel, der Bilder und Rollen abbildet, die über die binäre Vorstellung von „der Mann“ und „die Frau“ hinausreichen.
Mit Vorsicht zu genießen
Wenn die Hälfte junger Mädchen heutzutage aber „Topmodel“ als ihren Berufswunsch angeben, so ist dies ein klares Zeichen dafür, dass es an alternativen Identifikationsangeboten fehlt. Sendungen wie „Germanys next Topmodel“ reproduzieren weibliche Geschlechtersterotype, die sicherlich ein Teil heutiger Realität von gelebten Geschlechtervorstellungen darstellt, denen es jedoch an einem Gegenpol fehlt, um diese Geschlechterbilder zu relativieren und abzuschwächen. Und so werden die Medien und Medienmacher_innen ohne alternative Vorbilder weiterhin stereotype Darstellungen als erstrebenswerte Ideale von Männern und Frauen aussehen lassen.
Nach dem Einführungsworkshop konnte mensch sich zwischen zwei Workshops mit den Themen „Darstellung in der Journalistischen Berichtserstattung“ und „Inszenierung von Geschlecht im Unterhaltungs-TV“ entscheiden. Ich wählte letzteren Workshop und war gespannt, auf neue Serien und Filme, die es nicht nur schaffen zu unterhalten, sondern auf Geschlechtersterotype verzichten. ob es bereits einzelne Fernsehserien und Filme gibt, denen es gelingt außer zu unterhalten auch Wert darauf zu legen auf Geschlechtersteroytpe zu verzichten und Klischees über Geschlechter aufzubrechen. Bis jetzt waren mir jedenfalls keine derartigen Produktionen bekannt, die das Unterhaltungs-Fernsehen nutzten, um dem_der Zuschauer_in das Undoing Gender näher zu bringen.
Doing Science-Fiction – Doing Gender
Im ersten Input entführte uns Dr. Nadja Sennewald, Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin, auf die Reise in die Welt der Science-Fiction. In ihrem Beitrag „Alien Gender - Die Inszenierung von Geschlecht in Science-Fiction-Serien“ tauchten wir in die Welt von Startrek Voyager (1987-2005) ein, ein Ausschnitt einer der sechs Science-Fiction-Serien, die Sennewald in ihrer Studie untersucht hat. „Offensichtlich fiktive Serien“ laden doch eigentlich zu spielerischen, neuen Geschlechterrollen ein, so lautet die Ausgangsüberlegung. Die Frage, ob stereotype Darstellung in Startrek Voyager gebrochen wird und eine Darstellung jenseits der Dichotomie der Geschlechter stattfindet, beantwortet uns exemplarisch die Figur von Captain Kathryn Janeway. Dieser gelingt es zwar als Captain ein Raumschiff zu leiten, unterscheidet sich aber bei näherem Hinsehen maßgeblich von ihren männlichen Kollegen in „Leitungspositionen“. So verkörpert Janeway eine Rolle, die stets instabil und unberechenbar ist. Von ihr verschuldete, außer Kontrolle geratenen Situationen werden von männlichen Personen richtig gestellt und gerettet. Frau Dr. Sennewald bringt es auf den Punkt: Frauen können die narrative Ordnung nicht herstellten, da sie selbst die Unordnung und das Chaos verkörpern.
Dass in Startrek Voyager jede Chance vertan wurde, Klischees über die Frau aufzubrechen wird auch deutlich, wenn erzählt wird, dass Captain Kathryn Janeway sich regelmäßig in andere Zeiträume beamen lässt und dort ihre romantische Seite als „Frau“ ausleben kann.
Action Girls: am Ende doch „nur Frauen“?
Doch es gibt sie, die „neuen Weiblichkeitsbilder“ in Science-Fiction-Serien und Kinofilmen. Sie werden „Action Girls“ genannt und zeichnen sich durch ein „hohes Aggressionspotenzial“ und „technische Affinität“ aus. Dennoch sind diese „Action Girls“, wie z.B. Lara Croft, nur in Teilbereichen gut und haben meistens „Co-Helfer“, die ihnen zur Seite stehen. Die Bereitschaftdieser Frauen Gewalt anzuwenden muss natürlich gerechtfertigt werden und so wird eine kriminelle Jugend und eine schwierige, nicht „typisch weibliche“ Vergangenheit zum Sündenbock für das eher „untypische“ Verhalten der Action-Frauen gemacht. Szenen, in denen ein „Action Girl“ erfolgreich aus einem Kampf herausgeht, sind auch vielfach zu sehen. Diese „weibliche Überlegenheit“ wird wiederum vielfach dadurch relativiert, dass die Frau am Ende nicht allein als Siegerin stehen bleibt, sondern erschöpft in die Arme eines Mannes fällt.
Das Fazit des Beitrages fällt ernüchternd aus: So gibt es zwar vermehrt Frauen in handlungstragenden Rollen, diese werden dann aber dargestellt, als wären sie in ihren Machtpositionen immer wieder auf die Hilfe der Männer angewiesen. Und obwohl es durchaus neue Rollenbilder gibt und Frauen nicht nur die Opferrollen zugeteilt bekommen, ist es Science-Fiction-Serien nicht gelungen, Rollenbilder zu schaffen, welche die binäre Logik von Mann und Frau verlassen.
Wissenschaft im Film: eine männliche Domäne?
Im nächsten Input verschaffte uns Prof. Dr. Flicker, Soziologin an der Universität Wien, einen Überblick über „die Geschlechterritualisierung von Wissenschaft im Mainstream-Spielfilm: 1930 bis heute“. Sie erläutert, dass die Filmanalyse auch einen Teil Gesellschaftsanalyse darstellt. Bilder der Geschlechterbesetzung in Berufen, in diesem Fall wissenschaftlichen Arbeitsfeldern, werden für viele aus medialen Bildern konstruiert. Bekommen Kinder die Aufgabe zugeteilt eine_n Wissenschaftler_in zu zeichnen („Draw a scientist“), so malen diese meistens einen Wissenschaftler. Wissenschaftsberufe sind also häufig noch immer männlich konnotiert.
Frau Prof. Dr. Flicker untersuchte mehr als 100 Spielfilme, in denen sie 7 bis 8 Stereotype von Frauen als Wissenschaftlerinnen herausarbeitete. Hier gibt es u.a. die „alte Jungfer“, die sich ganz der Wissenschaft hin gibt und Liebesbeziehungen scheut, also nie Frau und Wissenschaftlerin sein kann oder auch „die Herbe“, die einen Gegenpol zur „Weiblichkeit“ darstellt und gerne als Kettenraucherin abgebildet wird. Auch vorhanden ist „die Gute/Naive“, eine Wissenschaftlerin, welche vor lauter Naivität dann schlussendlich auch wieder von Männern gerettet werden muss. „Die einsame Heldin“ ist eine weitere Kategorie, die z.B. im Film „Contact“ von Jodie Foster dargestellt wird. Hier ist die Frau eine einsame Wissenschaftlerin im männlichen Machtapparat.
Das ein Wandel von Geschlechterrollen in den Medien stattfindet, wird auch daran deutlich, dass die Kategorisierung der Stereotype in den letzten Jahren von Frau Prof. Dr. Flicker erweitert werden mussten, da neue „Frauentypen“ in der Wissenschaft hinzukamen. So gibt es nun auch „die kluge und sexy Kampfmaschine“ und „die Zweiflerin“.
Doch zeigt das Fazit noch viel Nachholbedarf an medialer Veränderung der Geschlechterbilder auf. Es muss möglich sein, dass Wissenschaftlerinnen als Menschen dargestellt werden, die Beruf und Liebe oder Beruf und Familie vereinbaren können. Wissenschaft darf nicht als einziger Lebensmittelpunkt der Frauen inszeniert werden, nur damit eine Erklärung gefunden wird, wie es Frauen in wissenschaftliche Berufe schaffen. Das Bild der Wissenschaftlerinnen muss außerdem über die weiße Hetero-Frau hinausgehen. Frauen kommen zwar in Filmen mit Wissenschaftsthemen vor, ihre Rollen sind aber noch weit davon entfernt als Vorbild zu dienen, wie „Wissenschaft“ und „Frau-Sein“ unter einen Hut passen.
Traditioneller Tatort bricht Geschlechterklischees
Mit dem letzten Vortrag dieses Workshops erfreute uns Frau Dr. Ines Kappert, Leiterin des Ressorts für Meinung und Debatte in der taz. Dieser trug den Titel: „Die Komissarinnen sind da. Die TV-Karriere von Frauen, die viel leisten und zu wenig Spaß haben“. Obwohl in Krimis vermehrt realitätsbezogene Geschichten dargestellt werden und die Polizei ein eher männlich dominierender Bereich ist, ist zurzeit ein weltweiter Kommissarinnen-Boom zu vernehmen, leitete Frau Dr. Ines Kappert ihren Vortrag ein. Am Beispiel der wohl beliebtesten deutschen Krimiserie „Tatort“ wird gezeigt wie Frauen selbstbestimmt und kompetent auftreten können. Frauen können schießen und eigenständig Fälle lösen – erfolgreich und Kommissarin sein, bildet kein Gegensatzpaar mehr.
Aber auch die Tatortkommissarinnen müssen noch etwas dazulernen: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Privatleben. Denn hier sieht Kappert das Ende des emanzipatorischen Potenzials. Während die Münsteraner Kommissare Thiel und Börne auch neben ihrem zeitaufwendigen Beruf den unterschiedlichsten Hobbies nachgehen, gelingt es den Tatort-Frauen nicht, ihre Work-Life-Balance herzustellen. Frauen, wie Charlotte Lindholm, die als erfolgreiche Ermittlerin in Niedersachsen Fälle löst, dabei aber ihr Kind und Liebesleben darunter leiden müssen.
Ansonsten mangelt es an Kommissarinnen, die nicht nur erfolgreich sind, sondern auch Fehler begehen und zu diesen stehen. Auch hier wird das Bild der Frau als viel zu „perfekt“ dargestellt. Und sind wir doch ehrlich: wer braucht Vorbilder, die fehlerfrei sind und mögen wir Thiel und Börne nicht gerade deswegen, weil sie Fehler machen dürfen? Conny Mey (Tatort Frankfurt) und Bibi Fellner (Tatort Österreich) sind hier auf dem richtigen Weg, die Fehlerintoleranz zu brechen.
Seit den 70er Jahren flimmern sonntags Tatortkomissar_innen über den Bildschirm. An der Entwicklung der Rollen in dieser Krimiserie wird deutlich, dass durchaus auch alte Formate einem Wandel unterliegen können - und immer noch gerne gesehen werden.
(es folgt Teil 2 ...)
Geschrieben von Gunda-Werner-Institut
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15:23
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Tags für diesen Artikel: frauen, gender, heteronormativität, identität, journalismus, medien, sprache, vorträge
Mittwoch, 16. November 2011
Was ist der Streit-Wert? Bündnisse – Ein Weg zu erfolgreicher Geschlechterpolitik?
Das Gunda-Werner-Institut lädt alle ganz herzlich ein, sich an der aktuellen Online-Debatte „ Bündnisse – Ein Weg zu erfolgreicher Geschlechterpolitik? Was ist der Streit Wert?“ zu beteiligen.
Zentrale Fragen:
Ausgangsüberlegung: Denn auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten geschlechterpolitische Fortschritte errungen wurden, ist eine emanzipative Geschlechterpolitik in vielen Bereichen rückläufig oder stagniert. Von einem einheitlichen feministischen „Wir“ ist nicht mehr auszugehen. Frauenpolitische/feministische Ansätze haben sich längstausdifferenziert und sind sichtbar divers, auch emanzipierte Männer diskutieren mit.
Den gelungenen Auftakt in dieser Woche gab Malathi de Alwis mit einem Text über internationale/transnationale feministische Bündnisse.
Heute im Blog: „JedeRevolution ist eine Chance – auch für ägyptische Frauen?“ von Mona Hanafi El Siofi.
EineDebatte über Bündnisse mit spannenden Beiträgen und Einblicken von spannenden Menschen: María do Mar Castro Varela(angefragt), Nadine Lantzsch, Katja Kinder, Katrin Rönicke, Sven Lehmann, Eske Wollrad, Ahmad Mansour (zugesagt), Inge von Bönninghausen, Kübra Gümüsay (angefragt), Aimee Carrillo Rowe (zugesagt), Sonja Eismann, uvm.
Aber seht selbst, klickt, kommentiert, schreibt rein und erzählt’sweiter.
Zentrale Fragen:
- Ist Bündnispolitik eine Chance, geschlechterpolitische Ziele zu erreichen und ausder geschlechterpolitischen Stagnation bzw. dem Roll Back heraus zu kommen?Welche Bündnisformen und Bündnisse sollten Feministinnen (nicht) eingehen?
- Wie sollte Bündnispolitik gestaltet werden, um feministische und emanzipatorischeZiele zu erreichen?
- Was ist erforderlich?
- Wer ist einzubinden, warum?
Ausgangsüberlegung: Denn auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten geschlechterpolitische Fortschritte errungen wurden, ist eine emanzipative Geschlechterpolitik in vielen Bereichen rückläufig oder stagniert. Von einem einheitlichen feministischen „Wir“ ist nicht mehr auszugehen. Frauenpolitische/feministische Ansätze haben sich längstausdifferenziert und sind sichtbar divers, auch emanzipierte Männer diskutieren mit.
Den gelungenen Auftakt in dieser Woche gab Malathi de Alwis mit einem Text über internationale/transnationale feministische Bündnisse.
Heute im Blog: „JedeRevolution ist eine Chance – auch für ägyptische Frauen?“ von Mona Hanafi El Siofi.
EineDebatte über Bündnisse mit spannenden Beiträgen und Einblicken von spannenden Menschen: María do Mar Castro Varela(angefragt), Nadine Lantzsch, Katja Kinder, Katrin Rönicke, Sven Lehmann, Eske Wollrad, Ahmad Mansour (zugesagt), Inge von Bönninghausen, Kübra Gümüsay (angefragt), Aimee Carrillo Rowe (zugesagt), Sonja Eismann, uvm.
Aber seht selbst, klickt, kommentiert, schreibt rein und erzählt’sweiter.
Geschrieben von Francesca Schmidt
in Feminismus, Gender
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13:46
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Tags für diesen Artikel: ankündigung, feminismus, frauenbewegung, gender, gleichberechtigung, globalisierung, identität, identitätspolitik, lgbti, medien, queer
Montag, 31. Januar 2011
Tussi on Tour
Auch unter Feminist_innen gehen die Meinungen auseinander, was von 20ELF zu erwarten ist: die 6. Fußball-WM der Frauen - oder die 6. Frauenfußball-WM?
Am 10. November 2010 startete das Gunda-Werner-Institut mit seinem Green Ladies Lunch die Kampagne gender kicks 2011. Dabei gabe es zahlreiche Plädoyers dafür, von Frauenfußball zu sprechen. Auf diese Weise solle deutlich werden, dass es sich um eine eigene Sportart handle, die gerade nicht in Vergleich zu Männerfußball steht, sondern seine eigene Geschichte entwickelt. Wenn die aktuelle Situation des Frauenfußballs analysierte werde, dann sei der Vergleich mit den Männern (in Hinsicht auf Publikumszahlen, Traditionen, wirtschaftliches Potential) wenig hilfreich, sinnvoller seien Blicke zurück und nach vorn: Wie hat sich Frauenfußball entwickelt und welche Entwicklungsmöglichkeiten hat er?
Das Projekt F_IN Frauen im Fußball sammelt Fanaktivitäten gegen Sexismus und verweist auf die Aktion "Sektion Niedlich", die meint: "Es gibt Kinderfußball, dort gelten die Abseits- und Rückpassregeln nicht. … Es gibt Blindenfußball, da spielt man mit einer Rassel im Ball. Es gibt Beachsoccer, den spielt man auf Sand. … Aber so etwas wie Frauenfußball gibt es nicht. Oder wo liegt da der Unterschied?"
Was für diese Sichtweise spricht, wird deutlich bei der Feststellung, dass im Vorfeld einer Frauenfußball-WM auch "echte Frauenprodukte" (O-Ton) auf den Markt geworfen werden: Ab März ist Fußball-Barbie mit deutschem Trikot erhältlich.
Wer dagegen selbst als Barbie look-a-like ins Stadion will, besorgt sich das passende Outfit bei Tussi on Tour.
Am 10. November 2010 startete das Gunda-Werner-Institut mit seinem Green Ladies Lunch die Kampagne gender kicks 2011. Dabei gabe es zahlreiche Plädoyers dafür, von Frauenfußball zu sprechen. Auf diese Weise solle deutlich werden, dass es sich um eine eigene Sportart handle, die gerade nicht in Vergleich zu Männerfußball steht, sondern seine eigene Geschichte entwickelt. Wenn die aktuelle Situation des Frauenfußballs analysierte werde, dann sei der Vergleich mit den Männern (in Hinsicht auf Publikumszahlen, Traditionen, wirtschaftliches Potential) wenig hilfreich, sinnvoller seien Blicke zurück und nach vorn: Wie hat sich Frauenfußball entwickelt und welche Entwicklungsmöglichkeiten hat er?
Das Projekt F_IN Frauen im Fußball sammelt Fanaktivitäten gegen Sexismus und verweist auf die Aktion "Sektion Niedlich", die meint: "Es gibt Kinderfußball, dort gelten die Abseits- und Rückpassregeln nicht. … Es gibt Blindenfußball, da spielt man mit einer Rassel im Ball. Es gibt Beachsoccer, den spielt man auf Sand. … Aber so etwas wie Frauenfußball gibt es nicht. Oder wo liegt da der Unterschied?"
Was für diese Sichtweise spricht, wird deutlich bei der Feststellung, dass im Vorfeld einer Frauenfußball-WM auch "echte Frauenprodukte" (O-Ton) auf den Markt geworfen werden: Ab März ist Fußball-Barbie mit deutschem Trikot erhältlich.
Wer dagegen selbst als Barbie look-a-like ins Stadion will, besorgt sich das passende Outfit bei Tussi on Tour.
Freitag, 19. November 2010
Selbstmanagement und Quote oder: Wie gelangen Frauen über den akademischen Mittelbau hinaus?
Etwas versteckt und damit ironischerweise bereits der Thematik des Abends gemäß, findet der Ladies Lunch on Tour im 2. Stock der Hannover Hochschule für Musik, Theater und Medien statt. Seit 1999 gibt es den Ladies Lunch unter Schirmherrin Claudia Roth bereits auf Bundesebene, seit circa 7 Jahren in Niedersachsen.
Die gastgebende Hochschule hat einen im Vergleich zu anderen deutschen Universitäten mit ca. 22% (sic!) verhältnismäßig hohen Professorinnenanteil und auch einen höheren Anteil weiblicher Studierender vorzuweisen. Gender Bias spielen aber auch hier eine weitere Rolle: Die Auswahl der Instrumente von Musiker_innen folgt noch immer einer zumeist geschlechtsstereotypen Zuweisung und auch die von den Professorinnen vertretenen Fächer erscheinen eindeutig genderisiert.
Seit Jahren sind die Zahlen bekannt: Gegenüber 55% weiblichen Hochschulabsolventen, sind Professorinnen nur zu 17% an den Universitäten vertreten. Welche Selektionsmechanismen gibt es und wie finden diese an den Universitäten statt? Welche Wege sind die auf dem Podium vertretenen Professorinnen gegangen?
Die gastgebende Hochschule hat einen im Vergleich zu anderen deutschen Universitäten mit ca. 22% (sic!) verhältnismäßig hohen Professorinnenanteil und auch einen höheren Anteil weiblicher Studierender vorzuweisen. Gender Bias spielen aber auch hier eine weitere Rolle: Die Auswahl der Instrumente von Musiker_innen folgt noch immer einer zumeist geschlechtsstereotypen Zuweisung und auch die von den Professorinnen vertretenen Fächer erscheinen eindeutig genderisiert.
Seit Jahren sind die Zahlen bekannt: Gegenüber 55% weiblichen Hochschulabsolventen, sind Professorinnen nur zu 17% an den Universitäten vertreten. Welche Selektionsmechanismen gibt es und wie finden diese an den Universitäten statt? Welche Wege sind die auf dem Podium vertretenen Professorinnen gegangen?
- Den klassischen Fall des Mentors, den neuen Weg aus der Berufspraxis in die Lehre öffnend, erwähnt Prof. Susanne Koechert. Es folgt der - auch seit Jahren altbekannte, aber offensichtlich in der Praxis nicht umgesetzte - Hinweis, dass Frauen sich in bestehende Netzwerke integrieren und eigene knüpfen müssen.
- Die wohl eindringlichste und forderndste Stimme auf dem Podium vertritt Prof. Dr.-Ing. Birgit Glasmacher: "Wenn Frauen nur fordernd genug sind, kommen sie genauso weit!" Gleichwohl für die Einführung bzw. Beibehaltung einer die ersten Schritte ermöglichenden Quotierung, postuliert sie an diesem Abend mehrmals, dass Frauen mehr Eigenitiative und souveräneres wie mutigeres Auftreten an den Tag legen müssten als bisher. Auch wenn die im Ausland erlebte und gelebte Selbstverständlichkeit von Frauen in technischen Kontexten eine höhere ist und noch immer Vorbilder fehlen, müssen Frauen selbst für sich eintreten und nicht immer zurückweichen.
- Auf die Notwendigkeit einer hohen Frustrationstoleranz im Rahmen einer wissenschaftlichen Laufbahn und deren oft längerfristigen Durststrecken verweist Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann.
Vor dem Hintergrund dieser exemplarischen Bildungsbiografien wurden Perspektiven möglicher Förderungsformen diskutiert. Unisono bejaht wird die Frage nach Stellen-Förderungsprogrammen für Frauen, wie dem nur noch für Hochschulen der Künste fortgeführten Dorothea-Erxleben-Programm. Diese gleichstellungspolitischen Instrumente sind trotz eventueller und meist temporärer Show-Effekte und noch immer andauernden Diskussionen um die vermeintlich damit verbundene Benachteiligung von Männern nach wie vor notwendig, um mindestens ebensogut qualifizierten Frauen Zutritt zu höheren Stellen zu verschaffen. Dies und ein selbstsicheres und forderndes Auftreten sei das Rezept für die Präsenz von Frauen in höheren akademischen Posten. Auch Gender-Coachings für Personalverantwortliche und Vertreter_innen in Findungskommissionen können ein geeignetes Mittel sein, um die strukturelle Ungleichheit zu bewältigen.
Ist die Quintessenz dieser aus einer royalen Position heraus geführten Debatte - lautet der zur Vollständigkeit ergänzte Titel der Veranstaltung doch Ladies Lunch on Tour - Königinnen ohne Land - wieder einmal die Integration von durch besseres Selbstmanagement bessere Männer werdende Frauen in tradierte und unhinterfragte (Universitäts)Strukturen? Viele weitere Fragen blieben in der Debatte unbeantwortet - unstrittig blieb jedoch, dass das Ziel einer anteilsmäßigen Gleichstellung von Frauen in Universitäten keine randständige Frage mehr darstellt.
Ist die Quintessenz dieser aus einer royalen Position heraus geführten Debatte - lautet der zur Vollständigkeit ergänzte Titel der Veranstaltung doch Ladies Lunch on Tour - Königinnen ohne Land - wieder einmal die Integration von durch besseres Selbstmanagement bessere Männer werdende Frauen in tradierte und unhinterfragte (Universitäts)Strukturen? Viele weitere Fragen blieben in der Debatte unbeantwortet - unstrittig blieb jedoch, dass das Ziel einer anteilsmäßigen Gleichstellung von Frauen in Universitäten keine randständige Frage mehr darstellt.
Mittwoch, 10. November 2010
Der Kampf um die Anerkennung von LGBTI-Rechten als Menschenrechte
Auszug aus dem Editorial:
"Homosexuality is outlawed in 38 African countries. In some countries offenders can be punished with death and in many more with harsh jail sentences. Recent developments have attracted international attention and once more underlined the precarious human rights situation of LGBTI people on the continent. In Uganda, an Anti-Homosexuality Bill was tabled in parliament, proposing to broaden the criminalisation of homosexuality and to introduce the death penalty under certain circumstances, including for people who have previous convictions of the “offence of homosexuality” or have same sex relations while being HIV-positive. In Malawi, a gay couple was sentenced to 14 years hard labour and only freed after international condemnation. Fuelled by homophobic utterances of political and religious leaders, opposition to homosexuality is often embedded in tradition, religion and culture. Ignoring factual history, non-normative sexual orientations and gender identities are dismissed on the basis that they are Western imports and “un-African”."
Die Broschüre bietet einen Einblick in das Verständnis von Homophobie in Afrika, zeigt Beispiele aus Nigeria auf, beleuchtet Identitätskonzepte und sexuelle Rechte im Südafrika der Postapartheit.
Die Bröschüre steht zum Download zur Verfügung.
Weitere Informationen findet man hier.
Geschrieben von Francesca Schmidt
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Tags für diesen Artikel: afrika, gender, hate crimes, heteronormativität, lesben, lesbenbewegung, lgbti, männer, politik, schwul, trans*
Dienstag, 2. November 2010
No nation is better then the other once masculinity and power merge
Der vierte Workshop zum Thema Männlichkeit befasste sich mit dem Thema Militarisierte Männlichkeit in Krisen und Konflikten: Was heißt das für die Konfliktbearbeitung?" Den Input erbrachte Paul Higate, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bristol. Er forscht zu militarisierter Männlichkeit und beschäftigt sich aktuell mit der Thematik des Söldnertums.
Er zeigte verschiedene Fragen auf, die Maskulinität im Zusammenhang mit Peacekeeping Missionen aufwirft, aber noch nicht gebührend wissenschaftlich erörtert wurden. Insbesondere beschäftigt Paul Higate die Frage, was in den Köpfen der meist männlichen Täter vor
sich geht. Die Untersuchung dieses Problems sei unerlässlich, um die Zivilbevölkerung vor Ort besser vor sexualisierten Übergriffen schützen zu können. Auch die verschiedenen Rollen, die Männer innerhalb einer Mission einnehmen können, sollten seiner Ansicht nach
beleuchtet werden. Wie kann Maskulinität so positiv umgesetzt werden, dass Truppen freundlich Empfangen werden? Zudem haben die
Männer, die in den zivieln Teilen der Mission arbeiten, bisher wenig akademische Aufmerksamkeit erhalten und verdienen mehr Beachtung. Geschlossen wurde die Betrachtung mit dem Hinweis, dass "keine Nation besser ist als die andere, wenn Maskulinität und Macht sich vereinen und auf eine örtliche Zivilbevölkerung und Frauen trifft. Überall entstehen dieselben Strukturen sexualisierter Gewalt".
Im folgenden Workshop wurden von den Teilnehmern Fragen zum Umgang mit Militär und Maskulinität diskutiert.
1)Was sind die Faktoren, die zu einer Militarisierung einer Gesellschaft führen und was sind die Effekte dieser Militarisierung auf die Geschlechterrollen?
2)Gehen verschiedene Kulturen anders mit der Militarisierung von Geschlechterrollen um?
3)Was sind die Strategien, um der Entfaltung militarisierter Maskulinität in verschiedenen Situationen entgegen zu treten?
Der bleibende Eindruck war, dass es einer intensiven Betrachtung der Rollen von Männern, Frauen und der kulturellen Zusammenhänge bedarf. In praktischer Hinsicht kommen diese Betrachtungen häufig zu kurz, wie auch Paul Higate zu berichten wußte: Soldaten, die auf Peacekeeping Missionen geschickt werden, lassen die Trainings zu Gender gerne auch ausfallen, während Workshops, die die Sicherheit betreffen umso stärker frequentiert werden. Hier wird weniger Wert auf eine langfristige Strategie gelegt und die kurzfristige - wenn auch lebenssichernde – Strategie der Sicherheit höher gewertet.
Er zeigte verschiedene Fragen auf, die Maskulinität im Zusammenhang mit Peacekeeping Missionen aufwirft, aber noch nicht gebührend wissenschaftlich erörtert wurden. Insbesondere beschäftigt Paul Higate die Frage, was in den Köpfen der meist männlichen Täter vor
sich geht. Die Untersuchung dieses Problems sei unerlässlich, um die Zivilbevölkerung vor Ort besser vor sexualisierten Übergriffen schützen zu können. Auch die verschiedenen Rollen, die Männer innerhalb einer Mission einnehmen können, sollten seiner Ansicht nach
beleuchtet werden. Wie kann Maskulinität so positiv umgesetzt werden, dass Truppen freundlich Empfangen werden? Zudem haben die
Männer, die in den zivieln Teilen der Mission arbeiten, bisher wenig akademische Aufmerksamkeit erhalten und verdienen mehr Beachtung. Geschlossen wurde die Betrachtung mit dem Hinweis, dass "keine Nation besser ist als die andere, wenn Maskulinität und Macht sich vereinen und auf eine örtliche Zivilbevölkerung und Frauen trifft. Überall entstehen dieselben Strukturen sexualisierter Gewalt".
Im folgenden Workshop wurden von den Teilnehmern Fragen zum Umgang mit Militär und Maskulinität diskutiert.
1)Was sind die Faktoren, die zu einer Militarisierung einer Gesellschaft führen und was sind die Effekte dieser Militarisierung auf die Geschlechterrollen?
2)Gehen verschiedene Kulturen anders mit der Militarisierung von Geschlechterrollen um?
3)Was sind die Strategien, um der Entfaltung militarisierter Maskulinität in verschiedenen Situationen entgegen zu treten?
Der bleibende Eindruck war, dass es einer intensiven Betrachtung der Rollen von Männern, Frauen und der kulturellen Zusammenhänge bedarf. In praktischer Hinsicht kommen diese Betrachtungen häufig zu kurz, wie auch Paul Higate zu berichten wußte: Soldaten, die auf Peacekeeping Missionen geschickt werden, lassen die Trainings zu Gender gerne auch ausfallen, während Workshops, die die Sicherheit betreffen umso stärker frequentiert werden. Hier wird weniger Wert auf eine langfristige Strategie gelegt und die kurzfristige - wenn auch lebenssichernde – Strategie der Sicherheit höher gewertet.
Geschrieben von Hanna
in Frieden&Sicherheit, UN-Resolutiuonen
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Tags für diesen Artikel: Frieden&Sicherheit, gender, konflikt, militär, männer, un-resolution 1325, UN-Resolutiuonen
Freitag, 29. Oktober 2010
Die Maske
9h morgens im Damenklo der Böll-Stiftung. Eine Konferenzteilnehmerin (Resolution 1325) steht vor dem Spiegel und trägt hastig Puder auf. Ihr Gesicht sieht ebenmäßig aus, vielleicht ein wenig starr.
Meine Mutter ist fast 70. Ohne Lippenstift geht sie nicht aus dem Haus. Warum verfremden so viele Frauen ihre Gesichter, jeden Tag, bevor sie "in die Öffentlichkeit" treten? Damit man ihnen die Angst, die Empörung, die Wut nicht ansieht? Damit sie ein schönes Gesicht zum bösen Spiel machen?
Meine Mutter ist fast 70. Ohne Lippenstift geht sie nicht aus dem Haus. Warum verfremden so viele Frauen ihre Gesichter, jeden Tag, bevor sie "in die Öffentlichkeit" treten? Damit man ihnen die Angst, die Empörung, die Wut nicht ansieht? Damit sie ein schönes Gesicht zum bösen Spiel machen?
Can an ant move an elephant?
17:30
Time for the introductory presentation “Critical Revision of the Implementation of UN Res. 1325 and future perspectives for (inter)national work at the EU and UN Level”. Katariina Leinonen from the Council of the EU, Human Rights Unit in Brussel, took it upon herself to both acknowledge that the European Parliament’s work is “not to be underestimated” and voice the aspects that still need to be improved. Among the things to applaud: the Comprehensive Approach to the UNSC Resolution 1325 that has already been developed and is a great document to start from, the creation of a specific EU taskforce to develop indicators to measure the implementation of the resolution (among other things funding after conflict, women’s participation in peace negotiations and sexual abuse from the staff stationed in conflict zones). She also praised the succesful incorporation of a gender perspective in the planning, execution and follow up of 13 missions all over the world and an increase in participation from the civil society. However, Leinonen was not afraid to express criticism and listed the following points as room for improval: the need to increase awareness of gender and women rights as a security issue, the lack of training (needs to be more sistematic and should be compulsory for the people sent to intervene in conflict zones), need for reinforcement of gender maistreaming and the lack of National Action Plans (“we can”t afford to not have one”). The question of whether an ant can move an elefant or not is the one that seems to be posed when it comes to the implementation of the Resolution 1325. The answer that Leinonen had was a big “yes”: she just has to be smart and find a way.
Time for the introductory presentation “Critical Revision of the Implementation of UN Res. 1325 and future perspectives for (inter)national work at the EU and UN Level”. Katariina Leinonen from the Council of the EU, Human Rights Unit in Brussel, took it upon herself to both acknowledge that the European Parliament’s work is “not to be underestimated” and voice the aspects that still need to be improved. Among the things to applaud: the Comprehensive Approach to the UNSC Resolution 1325 that has already been developed and is a great document to start from, the creation of a specific EU taskforce to develop indicators to measure the implementation of the resolution (among other things funding after conflict, women’s participation in peace negotiations and sexual abuse from the staff stationed in conflict zones). She also praised the succesful incorporation of a gender perspective in the planning, execution and follow up of 13 missions all over the world and an increase in participation from the civil society. However, Leinonen was not afraid to express criticism and listed the following points as room for improval: the need to increase awareness of gender and women rights as a security issue, the lack of training (needs to be more sistematic and should be compulsory for the people sent to intervene in conflict zones), need for reinforcement of gender maistreaming and the lack of National Action Plans (“we can”t afford to not have one”). The question of whether an ant can move an elefant or not is the one that seems to be posed when it comes to the implementation of the Resolution 1325. The answer that Leinonen had was a big “yes”: she just has to be smart and find a way.
Geschrieben von Jehn Chan
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Dienstag, 26. Oktober 2010
Internationale Konferenz - Krisen bewältigen, bewaffnete Konflikte beenden
Zum 10. Jahrestag der UN-Resolution 1325
Aus Anlass des 10. Jahrestags der Verabschiedung der UN-Resolution 1325 „Frauen, Frieden und Sicherheit“ veranstaltet das Gunda-Werner-Institut (GWI) der Heinrich-Böll-Stiftung (hbs) in Kooperation mit dem deutschen Frauensicherheitsrat (FSR) und den 1000 Friedensfrauen weltweit eine internationale Konferenz. Damit sollen drei inhaltliche Ziele verfolgt werden. Im ersten Teil wollen wir kritisch Bilanz über die Umsetzung der Resolution 1325 ziehen, und anhand einzelner Fallstudien bisherige Erfolge würdigen und Defizite offenlegen. Im zweiten Schwerpunkt der Konferenz konzentrieren wir uns auf Aspekte, die über die eigentlichen Kernthemen der Resolution hinausgehen. Dazu gehören die Rolle von Geschlechterdynamiken in Krisen und Konfliktsituationen, insbesondere die Problematik von militarisierter Männlichkeit und sexualisierter Gewalt, sowie die Nutzung von Frauen- und Menschenrechten als Legitimation für militärische Interventionspolitik. Am letzten Tag wollen wir gemeinsam mit politischen Entscheidungsträger_innen über konkrete politische Strategien diskutieren, um die Umsetzung der Resolution voranzutreiben und bisher unterbelichtete Themen auf die Agenda der internationalen Gemeinschaft zu setzen.
Das komplette Programm!
Große Teile der Konferenz werden per Livestream übertragen!
Außerdem gibt es ein Filmprogramm und eine Ausstellung!
Auf diesem Blog werden Blogreporter_innen von der Konferenz und den Themen berichten!
Aus Anlass des 10. Jahrestags der Verabschiedung der UN-Resolution 1325 „Frauen, Frieden und Sicherheit“ veranstaltet das Gunda-Werner-Institut (GWI) der Heinrich-Böll-Stiftung (hbs) in Kooperation mit dem deutschen Frauensicherheitsrat (FSR) und den 1000 Friedensfrauen weltweit eine internationale Konferenz. Damit sollen drei inhaltliche Ziele verfolgt werden. Im ersten Teil wollen wir kritisch Bilanz über die Umsetzung der Resolution 1325 ziehen, und anhand einzelner Fallstudien bisherige Erfolge würdigen und Defizite offenlegen. Im zweiten Schwerpunkt der Konferenz konzentrieren wir uns auf Aspekte, die über die eigentlichen Kernthemen der Resolution hinausgehen. Dazu gehören die Rolle von Geschlechterdynamiken in Krisen und Konfliktsituationen, insbesondere die Problematik von militarisierter Männlichkeit und sexualisierter Gewalt, sowie die Nutzung von Frauen- und Menschenrechten als Legitimation für militärische Interventionspolitik. Am letzten Tag wollen wir gemeinsam mit politischen Entscheidungsträger_innen über konkrete politische Strategien diskutieren, um die Umsetzung der Resolution voranzutreiben und bisher unterbelichtete Themen auf die Agenda der internationalen Gemeinschaft zu setzen.
Das komplette Programm!
Große Teile der Konferenz werden per Livestream übertragen!
Außerdem gibt es ein Filmprogramm und eine Ausstellung!
Auf diesem Blog werden Blogreporter_innen von der Konferenz und den Themen berichten!
Geschrieben von Francesca Schmidt
in Frieden&Sicherheit, UN-Resolutiuonen
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Donnerstag, 16. September 2010
Blogreporter_innen gesucht! - Blog Reporters Wanted!
Blogreporter_innen gesucht! (english below)
Für die internationale Konferenz zum 10. Jahrestag der UN-Resolution 1325 - „Krisen bewältigen, bewaffnete Konflikte beenden - Friedenspolitische Strategien von Männern und Frauen“!
Ende Oktober 2010 wird die UN-Resolution 1325, zur Rolle von Frauen in bewaffneten Konflikten, 10 Jahre alt. Vom 28.10.-30.10.2010 veranstaltet das Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Frauensicherheitsrat und den Friedensfrauen weltweit eine internationale Konferenz, die unter anderem kritisch Bilanz ziehen, Perspektiven für die weitere Umsetzung der UN-Resolution 1325 entwickeln und neue Themen politisieren wird, wie etwa das Problem der militarisierten Männlichkeit bei bewaffneten Konflikten.
Diese Konferenz möchten wir medial u.a. mit dem Blog des Gunda-Werner-Institutes www.gender-happening.de begleiten. Wer hat Lust über die Themen der internationalen Konferenz zu bloggen?
Das sollte mitgebracht werden:
• Wissen über das Thema Frieden & Sicherheit aus der Genderperspektive
• Gefühl für Sprache und Stil
• Lust am Schreiben
Das kann erwartet werden:
• 3 Tage voller interessanter Diskussionen und Workshops rund um die UN-Resolutionen 1325,1820,ff. sowie Schwerpunkte wie sexualisierte Gewalt,
militarisierte Männlichkeit und tradierte Frauenrollen in der Konfliktbearbeitung
• 1 Blog, der mit Artikeln zu dem wichtigen Thema der Friedens- und Konfliktforschung bestückt werden kann
• öffentliche Aufmerksamkeit durch einen hohenVerbreitungsgrad
• Ein Team von netten und engagierten Menschen, die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen.
• Freie Medienwahl – gewünscht ist alles:
• Text
• Video
• Podcast
Wer Interesse an einer Mitarbeit als Blogreporter_in für die internationale Konferenz zum 10. Jahrestag der UN-Resolution 1325 und/oder darüber hinaus hat, melde sich bitte per Mail bei gwi@boell.de (Francesca Schmidt)
Wir freuen uns über baldige Rückmeldungen!
Weitere Informationen zur Konferenz!
Das GWI-Team
—————————————————————————————————
Blog Reporters Wanted!
We are looking for blog reporters for the international conference “Coping with Crises, Ending Armed Conflicts – Peace Promoting Strategies of Women and Men”.
At the end of October 2010 the UN Resolution 1325 concerning the role of women in armed conflicts will celebrate its 10th anniversary. From October 28th to 30th the Gunda Werner Institute in the Heinrich Böll Foundation in cooperation with the German Women’s Security Council and PeaceWomen Across the Globe will host an international conference which intends to take stock critically, develop perspectives for the further implementation of the UN Resolution 1325, and to politicize new themes such as the problem of militarised masculinity in armed conflicts.
We would like to support this conference e.g. with the blog www.gender-happening.de of the Gunda Werner Institute. Who would like to blog about the topics of this international conference?
We expect:
• Knowledge about the topic peace and security from a gender perspective
• Feel for language and phrasing
• Someone who enjoys writing
You can expect:
• 3 days of interesting discussions and workshops around the UN Resolutions 1325, 1820, ff. as well as focal points such as sexualised violence, militarised masculinity, and antiquated roles of women in conflict management
• 1 blog that can be filled with articles concerning the important topic of peace and conflict research
• Public attention through a high degree of dissemination
• A team of friendly and committed persons who will support you with words and deeds
• Free choice of media – everything is requested:
• Text
• Video
• Podcast
If you are interested in collaborating as a blog reporter for the international conference on occasion of the 10th anniversary of the UN Resolution 1325, please write an e-mail to gwi@boell.de (Francesca Schmidt).
We look forward to hearing from you soon!
For further information about the conference please go to the following website!
The Team of the Gunda Werner Institute
Geschrieben von Francesca Schmidt
in Frieden&Sicherheit, UN-Resolutiuonen
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Mittwoch, 18. August 2010
In Foren nichts Neues…
Am 17. August erschien in der taz ein Artikel über Frauen in der Netzwelt von Katrin Strohmaier, der einmal mehr die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern im Internet aufzeigt.
In Deutschland würden laut einer "Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen" 14% mehr Männer als Frauen online sein. Obwohl im gesamten Internet die meisten Blogs von Frauen sind, tauchen ihre Blogs in den "deutschen Blogcharts" auf den hinteren Rängen auf.
Nicht überraschend erschien dabei auch das Ergebnis einer Studie der Ruhr-Universität Bochum, nach der Frauen ihren Blog öfters als eine Art Tagebuch gebrauchen, Männer hingegen mehr über Themen wie Technik, Medien oder Politik schreiben würden. Dass Frauen und Männer unterschiedlich sozialisiert werden und demzufolge auch oftmals die Erwartungen an und die Klischees über die Geschlechter erfüllen, ist nicht neu. Mädchen wird in Deutschland häufig schon von klein auf suggeriert, dass sie in Dingen wie Technik etc. schlechter sind als Jungs.
Interessant ist wiederum, dass diese geschlechtlichen Unterschiede nicht für die DDR galten und auch nicht für osteuropäische Länder, so Anke Domscheit-Berg vom European Women’s Management Development Network (EWMD). In Bulgarien seien beispielsweise die Hälfte der Informatik-Studierenden Frauen. So überrascht auch nicht, dass in Deutschland Frauen, die sich dieser weiblichen Sozialisation ein Stück weit entziehen und selbst technische Kenntnisse beweisen und im Internet aktiv sind, nicht selten als karrieregeil und männerhassend beschimpft werden.
Leider hat es die Autorin versäumt, genauer auf die Studien einzugehen, z.B. auf absolute Zahlen. Und so bleibt der Neuigkeitswert des Artikels leider ein wenig auf der Strecke.
In Deutschland würden laut einer "Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen" 14% mehr Männer als Frauen online sein. Obwohl im gesamten Internet die meisten Blogs von Frauen sind, tauchen ihre Blogs in den "deutschen Blogcharts" auf den hinteren Rängen auf.
Nicht überraschend erschien dabei auch das Ergebnis einer Studie der Ruhr-Universität Bochum, nach der Frauen ihren Blog öfters als eine Art Tagebuch gebrauchen, Männer hingegen mehr über Themen wie Technik, Medien oder Politik schreiben würden. Dass Frauen und Männer unterschiedlich sozialisiert werden und demzufolge auch oftmals die Erwartungen an und die Klischees über die Geschlechter erfüllen, ist nicht neu. Mädchen wird in Deutschland häufig schon von klein auf suggeriert, dass sie in Dingen wie Technik etc. schlechter sind als Jungs.
Interessant ist wiederum, dass diese geschlechtlichen Unterschiede nicht für die DDR galten und auch nicht für osteuropäische Länder, so Anke Domscheit-Berg vom European Women’s Management Development Network (EWMD). In Bulgarien seien beispielsweise die Hälfte der Informatik-Studierenden Frauen. So überrascht auch nicht, dass in Deutschland Frauen, die sich dieser weiblichen Sozialisation ein Stück weit entziehen und selbst technische Kenntnisse beweisen und im Internet aktiv sind, nicht selten als karrieregeil und männerhassend beschimpft werden.
Leider hat es die Autorin versäumt, genauer auf die Studien einzugehen, z.B. auf absolute Zahlen. Und so bleibt der Neuigkeitswert des Artikels leider ein wenig auf der Strecke.
Geschrieben von Gunda-Werner-Institut
in Gender
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Donnerstag, 12. August 2010
Trans*Tagung 2010 in Berlin
TrIQ präsentiert mit freundlicher Unterstützung des Helle Panke e.V. die „Trans* ist für alle da!“-Tagung 2010: Noch größer (4 barrierefreie Etagen), noch umfangreicher (40 workshops und Vorträge), noch bunter (u.a. Lesung des Autorenkombinats Schlotzen&Kloben, Soliparty „Boobs, Brain & Bollox) und noch menschenreicher (erstmals Platz für bis zu 250 Teilnehmer_innen, doppelt so viele wie in den letzten Jahren)!!
Die Tagung findet statt vom 07. bis 10. Oktober 2010 im Pfefferwerk Berlin und richtet sich an Trans*menschen jedweder Eigendefinition, sowie deren Familien, Freund_innen, Spielgefährt_innen, und an alle wunderbar Unentschlossenen.
Anmelden kann mensch sich ab sofort bis spätestens zum 30. September; alle Infos dazu hier und auf der Seite der Tagung www.transtagung.tk. Dort findet sich auch das Programm und alle sonstigen Aktualitäten und Histörchen.
Teilnahmebeiträge:
Der Unkostenbeitrag für die Trans*Tagung 2010 beträgt 30,-, 35,- oder 40,- € (je nach Selbsteinschätzung). Er berechtigt zur Teilnahme an der gesamten Tagung einschließlich der Party am Samstagabend und beinhaltet warme Mittagessen am Samstag und Sonntag. Karten für einzelne Tage können wir aus organisatorischen Gründen leider nicht anbieten.
Wer den Unkostenbeitrag nicht oder nicht ganz aufbringen kann, möge sich bitte vertrauensvoll per e-mail an das Orga-Team (transtagung.berlin (at) yahoo.de) wenden- wir finden eine Lösung!
Die Tagung findet statt vom 07. bis 10. Oktober 2010 im Pfefferwerk Berlin und richtet sich an Trans*menschen jedweder Eigendefinition, sowie deren Familien, Freund_innen, Spielgefährt_innen, und an alle wunderbar Unentschlossenen.
Anmelden kann mensch sich ab sofort bis spätestens zum 30. September; alle Infos dazu hier und auf der Seite der Tagung www.transtagung.tk. Dort findet sich auch das Programm und alle sonstigen Aktualitäten und Histörchen.
Teilnahmebeiträge:
Der Unkostenbeitrag für die Trans*Tagung 2010 beträgt 30,-, 35,- oder 40,- € (je nach Selbsteinschätzung). Er berechtigt zur Teilnahme an der gesamten Tagung einschließlich der Party am Samstagabend und beinhaltet warme Mittagessen am Samstag und Sonntag. Karten für einzelne Tage können wir aus organisatorischen Gründen leider nicht anbieten.
Wer den Unkostenbeitrag nicht oder nicht ganz aufbringen kann, möge sich bitte vertrauensvoll per e-mail an das Orga-Team (transtagung.berlin (at) yahoo.de) wenden- wir finden eine Lösung!
Geschrieben von Francesca Schmidt
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Freitag, 30. Juli 2010
Was ist der Streit-Wert? GWI startet Online-Debatte zu „Grüne Feministen und „Männerrechtlern“
Vor gut zwei Jahren führten Publikationen wie „Alphamädchen“, „F-Klasse“ oder „Neue deutsche Mädchen“ im politischen Feuilleton zu der Debatte darüber, ob wir einen „neuen“ Feminismus brauchen. In der auf der GWI-Webseite geführten Online-Debatte „Was ist der Streit-Wert?“ wurden hier verschiedene Positionen dargestellt, Kontinuitäten und Brüche sichtbar und diskutiert. Junge und „alte“ Feminist_innen zerstritten oder verständigten sich.
Eher unberührt blieb dieser Diskurs von einer damals schon bestehenden Debatte von mehr oder weniger geschlechterpolitisch bewegten Männer(gruppe)n, sogenannten „Männerrechtlern“ oder auch Frauen, die der Meinung sind, dass gegenwärtige Geschlechterdiskurse – bezogen auf die Inklusion von männerspezifischen Fragestellungen und Männerpolitik(en) – blinde Flecken haben. Die Gleichberechtigung hierzulande sei längst erreicht bzw. schon über’s Ziel hinausgeschossen. Vielerorts wird die Benachteiligung von Jungs und Männern z.B. im Bildungs- oder Gesundheitssystem, als Opfer von Gewalt, beim Sorgerecht oder im Militär reklamiert und „der“ Feminismus dafür verantwortlich gemacht. Auf der anderen Seite steht das ‚Grüne Männermanifest’, das von einer profeministischen Perspektive auf die unzureichende Auseinandersetzung mit den Themen Männerrollen/ männliche Identitäten, Männer und Gesundheit, Väter etc. hinweist.
Das Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung will diese Diskussion aus einer kritischen Perspektive in Blogform begleiten und Ideen und Impulse für zukünftige Geschlechterpolitik(en) sammeln.
u. a. mit
• Sabine Hark, Soziologin und Leiterin des ZIFG, Berlin
• Sebastian Scheele, Soziologe, Berlin
• Kai Gehring, MdB BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Berlin
• Elahe Haschemi Yekani, Anglistin und Gender-Wissenschaftlerin, Berlin
• Volker Handke, Dipl.-Ing. Technischer Umweltschutz und Mitglied beim Forum Männer, Berlin
• Astrid Rothe-Beinlich, MdL BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Erfurt
• Sven Glawion, Germanist und Gender-Wissenschaftler, Berlin
• Andreas Kraß, Literaturwissenschaftler und Experte für Queer Studies, Frankfurt a.M.
Es darf fleißig mitdislutiert werden. Wer einen Beitrag zu dem Thema verfassen möchte, wende sich per Mail an gwi@boell.de.
Eher unberührt blieb dieser Diskurs von einer damals schon bestehenden Debatte von mehr oder weniger geschlechterpolitisch bewegten Männer(gruppe)n, sogenannten „Männerrechtlern“ oder auch Frauen, die der Meinung sind, dass gegenwärtige Geschlechterdiskurse – bezogen auf die Inklusion von männerspezifischen Fragestellungen und Männerpolitik(en) – blinde Flecken haben. Die Gleichberechtigung hierzulande sei längst erreicht bzw. schon über’s Ziel hinausgeschossen. Vielerorts wird die Benachteiligung von Jungs und Männern z.B. im Bildungs- oder Gesundheitssystem, als Opfer von Gewalt, beim Sorgerecht oder im Militär reklamiert und „der“ Feminismus dafür verantwortlich gemacht. Auf der anderen Seite steht das ‚Grüne Männermanifest’, das von einer profeministischen Perspektive auf die unzureichende Auseinandersetzung mit den Themen Männerrollen/ männliche Identitäten, Männer und Gesundheit, Väter etc. hinweist.
Das Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung will diese Diskussion aus einer kritischen Perspektive in Blogform begleiten und Ideen und Impulse für zukünftige Geschlechterpolitik(en) sammeln.
u. a. mit
• Sabine Hark, Soziologin und Leiterin des ZIFG, Berlin
• Sebastian Scheele, Soziologe, Berlin
• Kai Gehring, MdB BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Berlin
• Elahe Haschemi Yekani, Anglistin und Gender-Wissenschaftlerin, Berlin
• Volker Handke, Dipl.-Ing. Technischer Umweltschutz und Mitglied beim Forum Männer, Berlin
• Astrid Rothe-Beinlich, MdL BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Erfurt
• Sven Glawion, Germanist und Gender-Wissenschaftler, Berlin
• Andreas Kraß, Literaturwissenschaftler und Experte für Queer Studies, Frankfurt a.M.
Es darf fleißig mitdislutiert werden. Wer einen Beitrag zu dem Thema verfassen möchte, wende sich per Mail an gwi@boell.de.
Geschrieben von Francesca Schmidt
in Feminismus
um
10:40
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Tags für diesen Artikel: ankündigung, diskussionen, feminismus, frauen, frauenbewegung, gender, gleichberechtigung, männer, männerrechtler, politik
Donnerstag, 24. Juni 2010
Judith Butler in Berlin
Judith Butler am 18.6. in der Volksbühne - eine feministisch- queere Lecture, die mich begeistert hat. Ein Eintreten für grundlegende Freiheitsrechte aller (diskriminierten Gruppen), um die Formulierung eines gesellschaftlichen Entwurfs frei von Rassismus und jeglicher Art von Diskriminierung, um Eintreten gegen Militarisierung und Krieg, ein Plädoyer für Einmischen auch und gerade durch diskriminierte und minoisierte, ausgegrenzte Gruppen egal ob Lesben. Schwule, Queere oder sonst wie (Un)definierte. Ihr Verständnis von Freiheit erinnerte mich an Rosa Luxemburgs "Freiheit der Andersdenkenden" und ist gleichzeitig darüber hinaus weisend, da sie auch den Respekt vor dem Anders sein und Anders handeln postulierte. Ihr politischer Ansatz: mit ihrer destruktivistischen Position eine Fortführung des politischen Feminismus der 90er Jahre, der ja auch eine gesamte gesellschaftspolitische Vision implizierte, bei dem es nicht nur um das Eintreten für Frauenrechte ging, sondern um das Engagement gegen jede Form hegemonialer Gewalt und Herrschaft. Besonders bemerkenswert und politisch weiterführend: Butlers Verbindung von queerer Politik mit Eintreten gegen Militarismus und Krieg und ihre deutliche Ablehnung lobbyistischer Identitätspolitiken.
Es ist bezeichnend und ärgerlich, dass es in der medialen Berichterstattung kaum um diese inhaltliche Position Butlers ging, sondern in erster Linie um ihre Ablehnung des Zivilcourage-Preises auf dem CSD und den darum entstandenen Eklat.
Ein politisches Armutszeugnis auch, dass die CSD-Szene selbst sich in der Debatte so wenig mit Butlers inhaltlichen Positionen und ihrer Kritik an einer auf die eigene Identität ausgerichteten Politik auseinander setzt. Das halte ich für die weiter reichenden und gesellschaftlich weiterführenden Frage: Wie kommen wir aus dem Dilemma heraus, dass es einerseits notwendig ist, Diskriminierungen minoisierter Gruppen zu problematisieren und für ihren Schutz und die gesellschaftliche Akzeptanz einzutreten, und andererseits jegliche Polarisierung und identitäre Abgrenzungen zu verhindern? Wie schaffen wir es, auf die eigenen Interessen ausgerichtete identitäre Lobbypolitik abzubauen? Wo finden wir welche Bündnispartner_innen für eine gemeinsame und wirkungsmächtige Politik, die das Engagement für grundlegende Freiheitsrechte, gegen Krieg und Militarismus, mit dem gegen Rassismus und andere Diskriminierungsformen verbindet?
Nachtrag - 3sat-Kulturzeit über Judith Butler und den Eklat beim Berliner CSD
Es ist bezeichnend und ärgerlich, dass es in der medialen Berichterstattung kaum um diese inhaltliche Position Butlers ging, sondern in erster Linie um ihre Ablehnung des Zivilcourage-Preises auf dem CSD und den darum entstandenen Eklat.
Ein politisches Armutszeugnis auch, dass die CSD-Szene selbst sich in der Debatte so wenig mit Butlers inhaltlichen Positionen und ihrer Kritik an einer auf die eigene Identität ausgerichteten Politik auseinander setzt. Das halte ich für die weiter reichenden und gesellschaftlich weiterführenden Frage: Wie kommen wir aus dem Dilemma heraus, dass es einerseits notwendig ist, Diskriminierungen minoisierter Gruppen zu problematisieren und für ihren Schutz und die gesellschaftliche Akzeptanz einzutreten, und andererseits jegliche Polarisierung und identitäre Abgrenzungen zu verhindern? Wie schaffen wir es, auf die eigenen Interessen ausgerichtete identitäre Lobbypolitik abzubauen? Wo finden wir welche Bündnispartner_innen für eine gemeinsame und wirkungsmächtige Politik, die das Engagement für grundlegende Freiheitsrechte, gegen Krieg und Militarismus, mit dem gegen Rassismus und andere Diskriminierungsformen verbindet?
Nachtrag - 3sat-Kulturzeit über Judith Butler und den Eklat beim Berliner CSD
Geschrieben von Gitti Hentschel
in Feminismus
um
17:13
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Tags für diesen Artikel: berlin, diskriminierung, feminismus, gender, heteronormativität, homophobie, judith butler, krieg, lesben, militär, politik, queer, schwul, vortrag
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