Die Vereinbarung im Koalitionsvertrag, den Wehrdienst von neun auf sechs Monate zu kürzen, tritt auch eine alte Debatte los, die nach wie vor aktuell ist: Ist es ungerecht, dass nur Männer zum Wehr- beziehungsweise Zivildienst verpflichtet sind? Sollten Frauen gleichberechtigt verpflichtet sein, nach bestandener Musterung, Wehrdienst zu leisten oder nach Verweigerung Ersatzdienst? Ist das Modell der Wehrpflicht überhaupt noch zeitgemäß oder sollten die Aufgaben der Bundeswehr durch eine Berufsarmee erfüllt werden? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich Katrin Rönicke in ihrem im Wochenmagazin "derFreitag" erschienenen Artikel "Den eigenen Frieden verteidigen". Sie erläutert hier auch die Geschichte der Diskussion zu diesem Thema in Deutschland.
Wichtig ist es bei allen Diskussionen um Geschlechtergerechtigkeit durch Wehrpflicht, nicht aus den Augen zu verlieren, dass diese (wenn überhaupt) nicht mit dem bloßen gleichen Zwang für Frauen erreichbar wäre. Außerdem darf die grundsätzliche Fragwürdigkeit einer Institution wie der Bundeswehr nicht vergessen werden. Die Debatte kann daher mit der Beantwortung der Frage „Wehrpflicht für Frauen – ja oder nein“ nicht zu Ende sein.
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Wehrpflicht auch für Frauen?
Montag, 13. Juli 2009
Rettungspakete fuer ...
Am Dienstag abend gab es den (monatlichen?) Jour Fix (der Heinrich Böll Stiftung?) zu "Finanz- und Wirtschaftskrise - was hat "Gender" damit zu tun?".
Wie es aussieht, sind auch Andere auf die Idee gekommen, dass Rettungspakete auch anders genutzt werden könnte als zur Unterstützung der Finanzmärkte; das abgebildete Plakat fand sich auf meiner Heimfahrt am Straßenrand der Friedrich- bzw. Chauseestr. :

Menschen - keine Männer oder Frauen. Kinder - ebenfalls unkategorisiert als männlich oder weiblich. Also: alles Gender oder wie jetzt?
Wie es aussieht, sind auch Andere auf die Idee gekommen, dass Rettungspakete auch anders genutzt werden könnte als zur Unterstützung der Finanzmärkte; das abgebildete Plakat fand sich auf meiner Heimfahrt am Straßenrand der Friedrich- bzw. Chauseestr. :
Menschen - keine Männer oder Frauen. Kinder - ebenfalls unkategorisiert als männlich oder weiblich. Also: alles Gender oder wie jetzt?
Geschrieben von fctberlin
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Freitag, 10. Juli 2009
Privilegierungen - wer, wo, wie?
Beim Gender Happening gehört: "Über Privilegierungen haben wir mit den Frauen vor 20 oder 30 Jahren diskutiert. Heute ist das kein Thema mehr, denn wir wissen, dass auch Männer Opfer sind.
Wie aber funktioniert ein System, in dem angeblich keineR von ungleichen Machtstrukturen profitiert, diese aber offensichtlich existieren, wie das Wort 'Opfer' zeigt? Wer übt dann überhaupt Macht aus? Wenn dies nicht benennbar ist, wie erhält sich diese Macht und warum ist es offensichtlich so schwer, diese Strukturen zu ändern? "Privilegierungen - wer, wo, wie?" vollständig lesen »
Wie aber funktioniert ein System, in dem angeblich keineR von ungleichen Machtstrukturen profitiert, diese aber offensichtlich existieren, wie das Wort 'Opfer' zeigt? Wer übt dann überhaupt Macht aus? Wenn dies nicht benennbar ist, wie erhält sich diese Macht und warum ist es offensichtlich so schwer, diese Strukturen zu ändern? "Privilegierungen - wer, wo, wie?" vollständig lesen »
Gender - ein feministischer Blick
In der Eröffnungsveranstaltung hieß es, dass Gender so etwas wie postfeministisch sein könnte. Der Begriff "Gender" würde nach dieser Annahme den des "Feminismus" ablösen. Demnach würde das Verfolgen von Genderansichten ebenso wie eine feministische Weltanschauung wesentlich dazu beitragen, mehr Geschlechtergerechtigkeit zu erzielen. In diversen Veranstaltungen von GENDERisHAPPENING wurde jedoch zur ein anderer Ansatz zum Erreichen dieses Ziels verfolgt:
Es gab vor allem Kritik bezogen auf die Zu-Ordnung in "Schubladen" - männlich ODER weiblich. Zudem, dass es gälte, dieses zu verändern. Auch konkrete Vorschläge waren zu hören, an welchen Stellen welche Änderungen sinnvoll oder not-wendig wären. Demnach bedeutet Gender, dass offenbar vor allem anderen den derzeit für die Mehrheit gültigen "Schubläden" ihre Gültigkeit entzogen werden sollte - lieber heute als morgen.
Dies entspricht ja auch durchaus dem, was sich z.B. sowohl im gender@wiki als auch bei Wikipedia zum Begriff Gender findet.
Für Einige wäre es sicher angemessen, keiner "Kennzeichnungspflicht" nachkommen zu müssen. Vielleicht lohnt es auch für Alle, solche "Kennzeichnungen" zu hinterfragen. Es ist auch sicher sinnvoll, in Zeiten der (Finanz-)Krise Bündnisse über bestehende Gräben einer Geschlechterzuordnung hinweg zu schließen - um der besseren ZUSAMMENarbeit willen. Mit vereinten Kräften lässt sich sicher mehr erreichen.
Aber: Ist es im Sinne einer feministischen Weltanschauung, vor allem Einigkeit darüber zu erzielen, besagte Schubladen abzuschaffen?
Während des Formulierens komme ich zu dem Schluss, dass Gender wahrscheinlich tatsächlich "mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern" zum Ziel hat - während "die" Feminist_innen die vorhandene Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geändert sehen wollen.
Es gab vor allem Kritik bezogen auf die Zu-Ordnung in "Schubladen" - männlich ODER weiblich. Zudem, dass es gälte, dieses zu verändern. Auch konkrete Vorschläge waren zu hören, an welchen Stellen welche Änderungen sinnvoll oder not-wendig wären. Demnach bedeutet Gender, dass offenbar vor allem anderen den derzeit für die Mehrheit gültigen "Schubläden" ihre Gültigkeit entzogen werden sollte - lieber heute als morgen.
Dies entspricht ja auch durchaus dem, was sich z.B. sowohl im gender@wiki als auch bei Wikipedia zum Begriff Gender findet.
Für Einige wäre es sicher angemessen, keiner "Kennzeichnungspflicht" nachkommen zu müssen. Vielleicht lohnt es auch für Alle, solche "Kennzeichnungen" zu hinterfragen. Es ist auch sicher sinnvoll, in Zeiten der (Finanz-)Krise Bündnisse über bestehende Gräben einer Geschlechterzuordnung hinweg zu schließen - um der besseren ZUSAMMENarbeit willen. Mit vereinten Kräften lässt sich sicher mehr erreichen.
Aber: Ist es im Sinne einer feministischen Weltanschauung, vor allem Einigkeit darüber zu erzielen, besagte Schubladen abzuschaffen?
Während des Formulierens komme ich zu dem Schluss, dass Gender wahrscheinlich tatsächlich "mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern" zum Ziel hat - während "die" Feminist_innen die vorhandene Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geändert sehen wollen.
Geschrieben von fctberlin
in Diskussionen, Gender Happening
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08:25
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Mittwoch, 8. Juli 2009
"Ich bin frei"... Aber wovon?
Von welcher Bedeutung ist Simone de Beauvoirs Werk „Das andere Geschlecht“ 60 Jahre nach seinem Erscheinen und wie aktuell sind die darin enthaltenen Beobachtungen und Forderungen? Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen trafen sich gestern Ingeborg Gleichauf, Autorin und Beauvoir-Biographin, Effi Böhlke, Mitarbeiterin der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Meredith Haaf, Studentin und Bloggerin bei Mädchenmannschaft.net, zum Gespräch.
Obwohl das umfangreiche und komplexe Werk hinreichend fruchtbaren Boden für einen regen Meinungsaustausch zu bieten versprach, nahm die Diskussion recht schnell einen zähen und umständlichen Lauf. Brav beantworteten die Teilnehmerinnen der Reihe um die vagen Fragen der Moderation. Der Begriff der Freiheit, um den sich das Gerede drehte, blieb dabei undefiniert und schwammig. Auf einzelne interessante Beiträge wurde nicht näher eingegangen, sodass eine lohnende Begegnung, etwa in Form einer Konfrontation, der drei geladenen Frauen gar nicht erst stattfinden konnte.
Deutlich wurde allein, dass unsere individualisierte Gesellschaft und die Vielfalt an möglichen Freiheitsdefinitionen es heute erschweren, einen Konsens für eine neue Feminismusdebatte zu finden. Seit 1949 hat sich insofern einiges verändert, als dass wir globaler denken - Beauvoir beschäftigte sich lediglich mit der Frau der westlichen Ersten Welt - und individueller handeln - die Frauen als Kategorie erscheint uns heute einschränkend und grob verallgemeinernd. Ebenso kommen heute zum binären Geschlechterverständnis Beauvoirs eine Menge anderer möglicher Geschlechtsidentitäten und Sexualorientierungen hinzu, die in einer aktuellen Debatte berücksichtigt werden müssen.
Und so kam es, dass in der gestrigen Zusammenkunft selbst einzelne kraftvolle Aussagen sich im allgemeinen trüben Gedankenbrei verflüssigten und die Chance, neue konkrete Thesen aufzustellen, an denen sich wieder die Geister scheiden können, ungenutzt blieb. Schade.
Als Gedankenanstoß und nachträglicher Versuch, für intellektuelle Reibungen zu sorgen, seien an dieser Stelle dennoch einige der bedeutenden Aussagen aufgeführt. Effi Böhlke beklagte die anhaltende Zurückhaltung der Frau, Verhaltensmuster abzuschütteln und Freiräume aufzubrechen. Sie selbst sei emanzipiert worden, als die Beziehung zu ihrem Mann zerbrach, also aus einem passiven Erlebnis und einer gewissen Notwendigkeit heraus. Ingeborg Gleichauf wies auf ihre eigene finanzielle Abhängigkeit hin, aus der sie sich trotz beruflichem Erfolg nicht befreien könne. Beide Frauen sind Mutter dreier Kinder und stehen den Aussagen Beauvoirs über die Mutterschaft distanziert gegenüber (hier hätte ich gerne mehr erfahren). Meredith Haaf, gab an, dass sich Frauen heutzutage zwar nicht mehr geknechtet fühlten, ihre Aggressionen deswegen jedoch nicht mehr nach Außen, sondern nach Innen richteten und so zum Opfer ihrer eigenen Täterschaft würden (Wem wird damit (nicht) gedient?). Bezeichnend war, dass trotz dieser – so fasse ich sie auf - resignierten Appelle, immer wieder auf die positive Entwicklung der Gesellschaft gepocht wurde, dass schon so viel erreicht worden ist und sich ja schon irgendwie frei fühle. Ist eine Bewegung zum Stillstand gekommen?
Glücklicher Weise meldete sich rechtzeitig Gitti Hentschel aus dem Publikum zu Wort. Ob denn, anstatt abzuwarten, dass der Staat (der Mann?) sich zu Gunsten der Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzt, nicht die Frauen zuerst daran arbeiten sollten, die Fesseln ihrer eigenen Sozialisation abzuschütteln? Das setzt immerhin ein Bewusstsein über die aktuelle Lage (von einem selbst) voraus. Die tagtägliche und Stückchenweise Eroberung von selbst bestimmten Handlungsräumen ist unsere Aufgabe und die dürfen wir uns nicht abnehmen lassen. Sie beginnt im Privaten und führt ohne Umwege in die Öffentlichkeit.
Obwohl das umfangreiche und komplexe Werk hinreichend fruchtbaren Boden für einen regen Meinungsaustausch zu bieten versprach, nahm die Diskussion recht schnell einen zähen und umständlichen Lauf. Brav beantworteten die Teilnehmerinnen der Reihe um die vagen Fragen der Moderation. Der Begriff der Freiheit, um den sich das Gerede drehte, blieb dabei undefiniert und schwammig. Auf einzelne interessante Beiträge wurde nicht näher eingegangen, sodass eine lohnende Begegnung, etwa in Form einer Konfrontation, der drei geladenen Frauen gar nicht erst stattfinden konnte.
Deutlich wurde allein, dass unsere individualisierte Gesellschaft und die Vielfalt an möglichen Freiheitsdefinitionen es heute erschweren, einen Konsens für eine neue Feminismusdebatte zu finden. Seit 1949 hat sich insofern einiges verändert, als dass wir globaler denken - Beauvoir beschäftigte sich lediglich mit der Frau der westlichen Ersten Welt - und individueller handeln - die Frauen als Kategorie erscheint uns heute einschränkend und grob verallgemeinernd. Ebenso kommen heute zum binären Geschlechterverständnis Beauvoirs eine Menge anderer möglicher Geschlechtsidentitäten und Sexualorientierungen hinzu, die in einer aktuellen Debatte berücksichtigt werden müssen.
Und so kam es, dass in der gestrigen Zusammenkunft selbst einzelne kraftvolle Aussagen sich im allgemeinen trüben Gedankenbrei verflüssigten und die Chance, neue konkrete Thesen aufzustellen, an denen sich wieder die Geister scheiden können, ungenutzt blieb. Schade.
Als Gedankenanstoß und nachträglicher Versuch, für intellektuelle Reibungen zu sorgen, seien an dieser Stelle dennoch einige der bedeutenden Aussagen aufgeführt. Effi Böhlke beklagte die anhaltende Zurückhaltung der Frau, Verhaltensmuster abzuschütteln und Freiräume aufzubrechen. Sie selbst sei emanzipiert worden, als die Beziehung zu ihrem Mann zerbrach, also aus einem passiven Erlebnis und einer gewissen Notwendigkeit heraus. Ingeborg Gleichauf wies auf ihre eigene finanzielle Abhängigkeit hin, aus der sie sich trotz beruflichem Erfolg nicht befreien könne. Beide Frauen sind Mutter dreier Kinder und stehen den Aussagen Beauvoirs über die Mutterschaft distanziert gegenüber (hier hätte ich gerne mehr erfahren). Meredith Haaf, gab an, dass sich Frauen heutzutage zwar nicht mehr geknechtet fühlten, ihre Aggressionen deswegen jedoch nicht mehr nach Außen, sondern nach Innen richteten und so zum Opfer ihrer eigenen Täterschaft würden (Wem wird damit (nicht) gedient?). Bezeichnend war, dass trotz dieser – so fasse ich sie auf - resignierten Appelle, immer wieder auf die positive Entwicklung der Gesellschaft gepocht wurde, dass schon so viel erreicht worden ist und sich ja schon irgendwie frei fühle. Ist eine Bewegung zum Stillstand gekommen?
Glücklicher Weise meldete sich rechtzeitig Gitti Hentschel aus dem Publikum zu Wort. Ob denn, anstatt abzuwarten, dass der Staat (der Mann?) sich zu Gunsten der Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzt, nicht die Frauen zuerst daran arbeiten sollten, die Fesseln ihrer eigenen Sozialisation abzuschütteln? Das setzt immerhin ein Bewusstsein über die aktuelle Lage (von einem selbst) voraus. Die tagtägliche und Stückchenweise Eroberung von selbst bestimmten Handlungsräumen ist unsere Aufgabe und die dürfen wir uns nicht abnehmen lassen. Sie beginnt im Privaten und führt ohne Umwege in die Öffentlichkeit.
Geschrieben von Sarah Arriagada
in Diskussionen, Gender Happening
um
18:27
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Tags für diesen Artikel: das andere geschlecht, diskussionen, feminismus, frauen, frauenbewegung, gender, gleichberechtigung, literatur, politik
Sei öfter Simone de Beauvoir!
Ein kurzer Film brachte das eh schon vermutete Ergebnis: Werden Menschen auf der Straße nach ihren Assoziationen zu Das andere Geschlecht gefragt, antworten die meisten mit inneren Bildern von Mann + Frau und einer wahrgenommenen Gegensätzlichkeit. So weit so unbefriedigend. 60 Jahre nach Erscheinen des radikal für die Freiheit von Frauen argumentierenden Textes von Simone de Beauvoir ist nicht viel hängengeblieben. Wie aktuell ist Das andere Geschlecht heute noch? Es hat sich viel verändert,
"Sei öfter Simone de Beauvoir!" vollständig lesen »
Geschrieben von Susanne Haslinger
in Gender Happening
um
09:26
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Tags für diesen Artikel: das andere geschlecht, feminismus, frauen, frauenbewegung, gender happening, gleichberechtigung, literatur
Dienstag, 7. Juli 2009
Stadtführung auf Gender
Bei einem Spaziergang durch die Straßen rund um die Heinrich-Böll-Stiftung gab Bettina Knothe am Dienstag Morgen eine kleine Einführung, wie Geschlecht und Herrschaftsstrukturen den öffentlichen Raum beeinflussen können. Der Genderwalk ging über die Reinhardstraße, Spree-Brücke Regierungsviertel, Schiffbauerdamm und über die Friedrich-Straße zurück in Richtung Heinrich-Böll-Haus.
"Stadtführung auf Gender" vollständig lesen »
"Stadtführung auf Gender" vollständig lesen »
Geschrieben von Sabrina
in Gender Happening, Workshops
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19:19
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Tags für diesen Artikel: beeinträchtigung, feminismus, frauen, gender, gender walks, gleichberechtigung
Die verpassten Chancen von 1989
Neue Gesichter, viele Ideen und interessante Diskussionen. Dazwischen Berlins lange Straßen, die die Kölner Beine nicht gewohnt sind. Der erste Tag des Gender-Kongress war spannend und anstrengend zugleich, doch als Historikerin musste ich die letzte Runde doch noch mitnehmen: Um 19.30 Uhr startete das „Frauenpolitische Gespräch“, das den etwas umständlichen Untertitel trägt: „1989-2009. Ungleichzeitig in die Einheit – Erfahrungen“. Die Müdigkeit verflog relativ rasch, denn auf dem Podium saßen vier energetische, interessante Frauen – Wissenschaftlerinnen und Politikerinnen – die ihre persönlichen Erfahrungen mit der sogenannten „Wende“ beschrieben. Zwei von ihnen – Hildegard Nickel und Petra Bläss-Rafajlovski - waren im 09. November 1989 in Ostberlin gewesen, die anderen beiden – Christina Thürmer-Rohr und Carola von Braun – in Westberlin. Zum Glück verharrte das Gespräch nicht bei einem reflektierenden Erzählen nach dem Muster „Wo waren Sie, als die Mauerfall fiel?“ sondern entwickelte sich zur Diskussion über die Auswirkungen, die das Ende der DDR und die Wiedervereinigung auf die Frauenbewegung(en) in West- und Ostdeutschland gehabt hatten.
"Die verpassten Chancen von 1989" vollständig lesen »
Geschrieben von Sabrina
in Gender Happening, Panel
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15:11
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Tags für diesen Artikel: feminismus, frauen, frauenbewegung, friedliche revolution, geschichte, gleichberechtigung, wende
miss_d form link_d laws fighting for right
Frauenpolitisches Gespräch 1989-2009
Ungleichzeitig in die Einheit - Erfahrungen
Prof. Hildegard Maria Nickel
Prof. Dr. Tina Thürmer-Rohr
Carola von Braun (ehem. MdA/FDP)
Petra Bläss-? (Ex-Vizepräs. des BT)
Mod. Anne Ulrich
Ulrich moderiert das Gespräch am Abend an. Auch mit den Öffentlichkeitstheoretikern Alexander Kluge und Oskar Negt. Nach "Öffentlichkeit und Erfahrung" (1972), "Geschichte und Eigensinn" (1981) schärften sie in "Maßverhältnisse des Politischen" (1992) einen Begriff, der Politik nicht als "Substanz" versteht, sondern als Form:
jedes "alltägliche Gefühl" kann eine "Intensität" gewinnen, die es politikfähig macht. Emanzipatorische Politik entsteht nur dann, wenn selbstregulierende Organisationsformen ein Maß zueinander finden.
Zum nicht Zusammenfinden in ´vereinter Frauenpower´ vor 20 Jahre finden an diesem Abend eingestandene Enttäuschungen und befreiende Einsichten zur ehemals diversen Agenda eine Form:
Angst und Aufbruch (Bläss, Nickel) hatten spätestens zwischen Sept. 89 und März 90 Frauen aus der DDR über alle Nischen-Grenzen hinweg vernetzt (Bläss); der Unabhängige Frauenverband (UFV) forderte in (so Nickel) "friedlich-revolutionärem" Schwung : "Ohne Frauen ist kein Staat zu machen", verfehlte aber ohne Rotation das erste lila Mandat. Die starke Westfrauenbewegung, die - mit ausgefeilter Herrschaftsanalyse und Staatskritik im Gepäck (Thürmer-Rohr) - sich "typisch deutsch" auf allen Ebenen gut institutionalisiert hatte (von Braun), sah sich zurückgestutzt. Sie schwieg zur Frage der Nation.
Dass diese hinter Ihr gelassen sein will, erweist sich in dem historisch-materialistisch angedrohten Gang zum Europäischen Gerichtshof: Frauen, deren (Renten-) Ansprüche durch Scheidung in oder auch nach der DDR im politischen System der alt-neuen Bundesrepublik untergehen, fordern ihr Recht hier auf Erden, gegen die biologistisch "tickende Uhr".
Das Vermittlungsproblem, wie sich Erfahrungs- und Wissensbestände von Staatsbürger_innen nicht zuletzt mit Migrationshintergrund "unter Handlungsdruck" in der Krise zu Ein- bzw. Ausschliessungen solcher Art verhalten mögen, bleibt eine Frage von Ressourcen-Verteilung in der Form, d.h. Politik als Handeln ins Ungewisse.
(es folgen später: video-dok inputs und video-dok diskussion)
Ungleichzeitig in die Einheit - Erfahrungen
Prof. Hildegard Maria Nickel
Prof. Dr. Tina Thürmer-Rohr
Carola von Braun (ehem. MdA/FDP)
Petra Bläss-? (Ex-Vizepräs. des BT)
Mod. Anne Ulrich
Ulrich moderiert das Gespräch am Abend an. Auch mit den Öffentlichkeitstheoretikern Alexander Kluge und Oskar Negt. Nach "Öffentlichkeit und Erfahrung" (1972), "Geschichte und Eigensinn" (1981) schärften sie in "Maßverhältnisse des Politischen" (1992) einen Begriff, der Politik nicht als "Substanz" versteht, sondern als Form:
jedes "alltägliche Gefühl" kann eine "Intensität" gewinnen, die es politikfähig macht. Emanzipatorische Politik entsteht nur dann, wenn selbstregulierende Organisationsformen ein Maß zueinander finden.
Zum nicht Zusammenfinden in ´vereinter Frauenpower´ vor 20 Jahre finden an diesem Abend eingestandene Enttäuschungen und befreiende Einsichten zur ehemals diversen Agenda eine Form:
Angst und Aufbruch (Bläss, Nickel) hatten spätestens zwischen Sept. 89 und März 90 Frauen aus der DDR über alle Nischen-Grenzen hinweg vernetzt (Bläss); der Unabhängige Frauenverband (UFV) forderte in (so Nickel) "friedlich-revolutionärem" Schwung : "Ohne Frauen ist kein Staat zu machen", verfehlte aber ohne Rotation das erste lila Mandat. Die starke Westfrauenbewegung, die - mit ausgefeilter Herrschaftsanalyse und Staatskritik im Gepäck (Thürmer-Rohr) - sich "typisch deutsch" auf allen Ebenen gut institutionalisiert hatte (von Braun), sah sich zurückgestutzt. Sie schwieg zur Frage der Nation.
Dass diese hinter Ihr gelassen sein will, erweist sich in dem historisch-materialistisch angedrohten Gang zum Europäischen Gerichtshof: Frauen, deren (Renten-) Ansprüche durch Scheidung in oder auch nach der DDR im politischen System der alt-neuen Bundesrepublik untergehen, fordern ihr Recht hier auf Erden, gegen die biologistisch "tickende Uhr".
Das Vermittlungsproblem, wie sich Erfahrungs- und Wissensbestände von Staatsbürger_innen nicht zuletzt mit Migrationshintergrund "unter Handlungsdruck" in der Krise zu Ein- bzw. Ausschliessungen solcher Art verhalten mögen, bleibt eine Frage von Ressourcen-Verteilung in der Form, d.h. Politik als Handeln ins Ungewisse.
(es folgen später: video-dok inputs und video-dok diskussion)
Geschrieben von Frauke Helwes
in Gender Happening, Panel
um
02:44
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